Le Roman de la Danse
Man weiß nicht, was zuerst da war, der Tanz oder die Trance, doch irgendwann gab es ein kleines Grüppchen Frauen, Männer und Kinder, das auf der Suche nach Nahrung durch trostlose, feindliche Lande zog, den Rentierrudeln auf ihren Wanderungen folgend.
Und das, wenn es rastete oder sein Lager aufschlug, jene paradoxe Darbietung erlebte, die darin besteht, zu verharren und sich doch zu bewegen, eine beträchtliche Menge an Gesten und Energie aufzuwenden und sich dabei nicht von der Stelle zu rühren – immer noch auf der Jagd, diesmal aber nach einer anderen, einer unsichtbar gegenwärtigen Beute, auf der Jagd nach Aufmerksamkeit, weniger der Zuhörer denn der Geister. Mit anderen Worten: Wozu noch weiter vordringen auf der großen Bühne der Welt, wenn man auch in einem Kreis aus gut zwanzig Menschen eine Art reglose Reise über die großen Ebenen des Imaginären erfinden kann, eine Reise gen Himmel, in kleinen Schritten, mit kleinen Sprüngen, in jenem geschlossenen Raum der Aufführung, die einen Wunsch inszeniert, den Wunsch vielleicht, an Ort und Stelle zu bleiben. Denn im Tanz äußert sich auch die Ermattung, immerzu weiterziehen zu müssen. Der Tanz fingiert Fortbewegung. Was auch im ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Ästhetik: Ins Offene, Seite 84
von Jean Rouaud
Radhouane El Meddeb steht auf einem Teppich aus weißem Ziegenleder, wendet dem Publikum seinen entblößten Rücken zu und starrt in die Ferne. Links liegt, ebenfalls weiß, eine Skulptur: ein toter Ziegenkörper. Erinnerung an das ländliche Tunesien? El Meddeb begann seine Laufbahn als Schauspieler, Regieassistent und Dramaturg in Tunis, bevor er sich im Alter von 26...
Diese Künstlerin hat den Mut, die Getriebenheit und den Scharfblick, die in Zeiten wie diesen gebraucht werden. Elisabeth Bakambamba Tambwe, geboren 1971 in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa, ist seit 2007 Wienerin. Bis vor fünfzig Jahren hieß Kinshasa nach dem belgischen König Leopold II. noch Léopoldville. Der Herrscher hatte sich seinen «Freistaat Kongo»...
Schön sein kann jeder Tänzer, Hässlichkeit erfordert Mut. Der Australier treibt alles bis ans Limit und gibt deshalb auch ein Monster nach Maß für Liam Scarletts «Frankenstein» am Royal Ballet in London
Er hat einen feingliedrigen, fast femininen Körperbau, einen blassen Teint, dazu rotblondes Haar. Mit seiner hohen, feinen Stimme beantwortet er kultiviert und mit...
