Zu viel versprochen
Wer wollte den Choreografen den Mund verbieten! Wenn sie was zu sagen haben, wird sie niemand daran hindern. Aber so viel Gerede wie beim neuesten Abend des Stuttgarter Balletts war noch nie. In «Eden | Eden» debattieren angeblich «zwanzig der führenden Wissenschaftler über die historischen, wissenschaftlichen, ethischen und religiösen Aspekte des Umgangs mit dem menschlichen Körper», und sie tun das in einem mit Steve Reichs «Dolly»-Musik unterlegten Gespräch.
Text und Ton auch in «Gambling, x 5», nicht sehr überzeugend gemischt von Gavin Bryars und Juan Muñoz aus zehn Radiosendungen. Geschwätzig nicht zuletzt der Maler Vignac, d. h. Eric Gauthier, der in «..., la peau blanche ...» keine Sekunde daran denkt, sein Bild für sich selbst sprechen zu lassen.
Wenigstens für Wayne McGregor fehlt in der «Debatte eine wichtige Stimme: die Stimme des Körpers selbst, die seine Komplexität, Anpassungsfähigkeit, Feinheit, vor allem sein Potenzial beschreibt», und in «Eden | Eden» holt er ihn immer wieder aus der Versenkung: als ein kybernetisches Kunstprodukt, das die Gelenkigkeit der Kleistschen Marionette verinnerlicht hat. Alicia Amatriain und Friedemann Vogel ist nichts Menschliches fremd. ...
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Von paradiesischen Zuständen keine Spur. Nacht ist es auf der Bühne, der einzige Lichtstrahl lässt die Stele mitten im Prager Ponec allenfalls ahnen. Petr Smetácek hat sie geschaffen: Reminiszenz an den Baum der Erkenntnis, der dem ersten Menschenpaar zum Verhängnis wurde. Erstarrt stehen die beiden anfangs da, während aus dem Off die Arie «O let me weep» erklingt....
Papst Johannes Paul II. ist nicht der einzige, der sein Siechtum publik gemacht hat. Auch Keriac (Foto © Keriac), Tänzerin, Choreografin, Gründerin und Leiterin des DanceVisionInstitute in San Francisco und Stuttgart, ließ ihre «Gemeinde» teilhaben an ihrer Krebserkrankung. Eine Website informierte über «Keriacs Gesundheit», die doch alles andere als gesund war,...
