das geschlecht ist egal
Marco Goecke, hat «Orlando» Sie gefunden, oder haben Sie «Orlando» gefunden?
Das Buch kenne ich noch aus Münchner Zeiten. Als ich dort studierte, lief der Film von Sally Potter mit Tilda Swinton in der Titelrolle, den ich damals toll fand. Heute finde ich ihn nicht mehr so spannend. Das Buch hatte ich schon viel früher gelesen, es war immer in meinem Kopf wie im Repertoire, neben anderen Büchern von Virginia Woolf, die ich eigentlich viel intensiver fand. Dann meinte ein Bekannter bei einem Abendessen in Leipzig, aus «Orlando» müsse man ein Ballett machen.
So ist die Idee vor etwa drei Jahren entstanden. Und als ich jetzt für Stuttgart etwas Größeres machen wollte oder sollte, habe ich «Orlando» gesagt.
Bereuen Sie das?
Nicht richtig bereuen, aber manchmal lese ich das Buch und denke, o Gott, das kann man gar nicht alles einfangen.
Da tut sich der Film leichter.
Ja, aber so ein Ausstattungskram ist ja naheliegend. Was übrig bleibt, das ist doch etwas ganz Emotionales, eine verzweifelte Suche von Woolf, mit Sprache etwas von dem festzumachen, was sie empfunden hat. Auch die philosophischen Gedanken sind viel wichtiger als die opulenten Bilder. Natürlich spiele ich mit denen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sohn von Thomas Mann, begann mit 18 zu schreiben. Zu seiner ersten Arbeit aus dem Jahr 1926 zählt das Libretto «Die zerbrochenen Spiegel». Hier greift er die soziale Situation in Deutschland während der Inflation im Jahr 1923 auf, macht die tänzerische Aufbruchstimmung jener Zeit deutlich, die im Widerstreit von Ausdruckstanz versus Ballett kulminierte. Im Rahmen...
Erfolg zahlt sich nicht immer aus. Nicht mal Talent. Und Treue zu einem Ensemble wird womöglich sogar mit der Kündigung bestraft. So die bittere Berufsbilanz eines Balletttänzers, dessen Begabung so offensichtlich gewesen ist, dass ihn bereits mit 17 Jahren ein größeres Theater engagiert. 15 Jahre später sieht sich Roland W., wie wir ihn nennen wollen (der richtige...
Marika Besobrasova
nannte sich im Gespräch einmal eine «Meisterin», denn «nur ein Meister hat das Recht, einem Schüler in die Seele zu sehen, seine Verhaltensweise zu bestimmen, aus ihm einen Künstler zu machen. In der Ausbildung durch seinen Lehrer muss der künftige Tänzer das ‹gewisse Etwas› entdecken, das wie ein Geheimnis in ihm liegt, das er zu erkennen,...
