starthilfe
Künstlerische Jungfernzeugung ist ein so seltenes Phänomen, dass man ihr Vorkommen praktisch nicht belegen kann. Alles kreative Tun wurzelt in den Tiefen künstlerischer Muttererde. Egal ob dieser Nährboden seine Fruchtbarkeit nun aus Krieg, persönlichem Unglück, ausgedehnten Friedenszeiten, Armut, ererbtem Reichtum oder – wie im Falle der Familien Bach oder Mozart – aus einem genetischen und häuslichen, dem Schöpferischen förderlichen Umfeld bezieht: Stets ist ein Stimulus notwendig, ein auslösender Reiz, der das Sprießen lebendiger Kunst in Gang zu setzen vermag.
Regeln beherrschen – und brechen
Historisch betrachtet, bildet die Beziehung zwischen Meister und Schüler ein Grundmus-ter dieses Prozesses. Leonardo nannte Verrocchio seinen Meister; Raffael hatte Perugino, Michelangelo hatte Ghirlandaio. Zwar sollten diese Schüler ihre Meister bald überstrahlen; sie alle jedoch hatten zuvor unschätzbar von der beratenden Führung und Expertise ihrer etablierten und angesehenen Mentoren profitiert. Seit jeher hat talentierter Nachwuchs – in sämtlichen künstlerischen Disziplinen – nach meisterlicher Anleitung gesucht, solide Regeln erlernt und diese schließlich konsequent gebrochen, um die ...
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Tanz November 2016
Rubrik: Praxis, Seite 66
von Mike Dixon
Sachte setzt die Musik ein, wie ein leichtes, gleichmäßiges Schreiten. Für ein paar Momente bleibt es allein im Raum, dann fädeln sich zwei weitere Hände ein. Zwanzig Finger braucht es, um Franz Schuberts Klavier-Fantasie in f-Moll aus den Tasten zu zaubern. 1828 entstanden, scheint das Stück seiner Zeit vorauszueilen. Fast minimalistisch wirkt die Melodie, bevor...
Ein paar Stiefel stehen auf der Bühne, mutterseelenallein im offenen Raum. Bis ein Mann hereinkommt, barfüßig. Langsam gleitet das weiße Tuch, das er auf den Armen trägt, zu Boden. Als müsse es unsichtbare Leichen bedecken oder einen Altar. Etwas Scheues, zugleich verhalten Kampfeslustiges geht von dem Mann aus, als er in die schwarzen Schuhe steigt und anfängt,...
noir & blanc
Schwarz ist auch eine Farbe. Vor allem in den Zwanzigern des vorigen Jahrhunderts signalisierte sie eine Offenheit, Energie und Lebensfreude, die uns heute im Zuge politischer Entwicklungen leicht verloren gehen könnten. Insbesondere Paris etablierte sich als Schmelztiegel der Kulturen, nachdem nicht zuletzt die Kubisten die afrikanische Kunst für sich...
