Jenseits
Computer sehen und entscheiden anders als Menschen. Unsere Augen suchen stets die Abweichung, um Freund von Feind, Gefahr von Genuss zu unterscheiden. Der Computer, ist er mit einer Videokamera verbunden, erkennt erst mal nur Ähnlichkeiten. Er kann nicht anders. Für sein Werk casino social stellte der in Berlin bei Thomas Ruff studierte Künstler pablo zuleta zahr eine Kamera in die U-Bahnstation Baquedano seiner Heimatstadt Santiago de Chile. Was der Computer aus den Bildern filtern kann, sind zunächst die Farben von Kleidungsstücken und Accessoires.
Rote Rucksäcke, Pullover und Kleider sortiert er nach einem schon von John Cage verwendeten Verfahren in eine Schublade; blaue Hosen, Hemden und Anzüge in eine andere. Über 8000 Personen ordnet er so in ein aus Streifen bestehendes Bildgerüst. Durch die mathematische Struktur, die der Bilderkennung zugrunde liegt, entsteht etwas, das an eine Notation erinnert. Das Tableau «Männer in Rot» etwa erzeugt wie in einem guten Ballett nahezu homogene Konstellationen, die sich reiben an der Individualität der zufällig vorbeispazierenden Passanten. Herausgefiltert und sortiert, zeigt Pablo Zuleta Zahr in «Casino Social» den Widerspruch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der französische Choreograf Jean-Claude Gallotta wollte ursprünglich Clown werden. Die humoristische Ader hat er sich denn auch nie ganz verkneifen können. Seine Kompanie in Grenoble, im Rang eines Centre chorégraphique national, heißt noch immer Groupe Emile Dubois. Eine Farce. Schräg und grotesk «spielte» er selbst vor Kurzem den Odysseus in der Wiederaufnahme...
Pavol Liska und Kelly Copper, Sie leiten das Nature Theater of Oklahoma in New York. Schon Ihr erstes Stück, «Poetics», war ein Tanzstück, genauer: ein ballet brut.
Liska: Vier Jahre, von 1998 bis 2002, haben wir überhaupt kein Theater gemacht und nicht gedacht, je wieder damit anzufangen. Aber dann wurden wir doch wieder neugierig und näherten uns allem aus der...
Auf der Bühne ist der nur handgroße Kopf eine Winzigkeit. Erst vor der Kamera wird das Gesicht groß und sprechend. Eine Rolle spielt das Gesicht auf der Bühne nur dann, wenn es spricht. Ein Tänzer, der den Mund hält, trägt sein Gesicht zur Zierde. Er muss schon lächeln, seine Zahnreihen freigeben, eine Grimasse schnitzen, damit die Krone des Körpers überhaupt...
