frankenstein
Liam Scarletts «Frankenstein» für das Londoner Royal Ballet setzt am Opernhaus in Covent Garden neue Maßstäbe in Sachen Handlungsballett. Scarlett bleibt eng bei Mary Shelleys Romanvorlage von 1818 und konzentriert sich – unter Einsatz der üblichen Grand-Guignol-Gruselelemente – über weite Strecken auf die engsten Beziehungen Victor Frankensteins: mit seiner Verlobten Elizabeth, seinem Vater Alphonse, dem jüngeren Bruder William und seinem besten Freund Henry Clerval.
Die bei Lowell Liebermann in Auftrag gegebene Partitur ist von Tschaikowsky-, Prokofjew- und Korngold-Reminiszenzen durchweht: dezidiert filmmusikalisch, melodienselig und opulent orchestriert, dabei vom stringenten Dirigat Koen Kessels‘ bündig zusammengehalten.
Die exquisite Ausstattung John Macfarlanes operiert mit Zitaten schlichter georgianischer Architektur, blassen Schemen vor aufgewühlt-bleigrauem Himmel. Das Frankenstein’sche Familiengrab ist ein schlichter Sockel mit aufragendem Obelisk, der Ballsaal im letzten Akt minimalistisch durch eine weiße, geschwungene, monumental dimensionierte Treppe angedeutet. Macfarlanes Glanzleis-tung: der Anatomie-Hörsaal der Ingolstadter Universität, wo Victor Vorlesungen ...
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Tanz Juni 2016
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Mike Dixon
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