alexei ratmansky
Leicht ratlos schaut er in die Runde: «Won‘t work», stellt Alexei Ratmansky trocken fest, obwohl Corps und Solisten des Semperoper Balletts ihr Bestes gegeben haben. Minutenlang haben die Tänzerinnen versucht, sich im Achselklammergriff ihrer Partner Richtung Spiegel schieben zu lassen und dabei über passé retiré das hintere Bein nach vorne zu ziehen. Aber die Spannung, die es dafür in den fast horizontal geneigten Becken braucht, will sich partout nicht einstellen. Statt verbissen zu schleifen, lässt der Choreograf die nächsten Takte von Richard Strauss‘ «Tanzsuite» einspielen.
Noch hat er Wochen Zeit bis zur Premiere, die seine erste Uraufführung in Deutschland ist. Seelenruhig poliert er seine Brille, zieht einen Schokoriegel aus der schwarzen Herrenhandtasche, die er mit sich führt – und vertieft sich so in die Fortsetzung des Schaffensaktes, dass er die gewerkschaftlich verbriefte Pause glatt vergisst. Die Tänzer nehmen es nicht krumm. Die Arbeit mit ihm ist, wie sie sagen, ein erfrischendes Abenteuer. Weil Ratmansky, Ex-Chef des Bolshoi-Balletts und Hauschoreograf des American Ballet Theatre, den Kanon des klassischen Tanzes mit dynamischem Pinselstrich renoviert. Unter den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juni 2014
Rubrik: menschen, Seite 22
von Dorion Weickmann
geht zurück in die USA. 2015 wird er Professor an der Glorya Kaufman School for Dance. So heißt die Tanzabteilung der University of Southern California in Los Angeles. Jodie Gates ist die Schuldirektorin dieser erst 2012 gegründeten und von keiner Tradition überschatteten Institution. Sie war Tänzerin bei Forsythes Ballett Frankfurt, bevor die Kompanie 2004...
Fahrende Gesellen sind sie alle. Gäbe es nicht diese Wanderschaft, die immer wieder neue Anstöße, neue Einsichten, neue Entwicklungen ermöglicht, wäre die Ballettgeschichte anders verlaufen. Wenn Reid Anderson den neuen Abend des Stuttgarter Balletts «Fahrende Gesellen» nennt, dann nicht allein deswegen, weil er damit auf ein Mahler-Ballett von Maurice Béjart...
Auch als Volker Eisenach 2006 bei «wilder wein», einem Projekt für Jungen, Musik von Rammstein einsetzte, ging es um Gefühle zwischen Liebe und Hass. Radikaler freilich wallen die Emotionen bei ihren professionellen Kollegen in Schwerin. Denen hat Ballettchef Sergej Gordienko ein Rockballett auf den in knappe Lederkluft gezwängten Tänzerleib maßgeschneidert....
