Rituale: William Moore
Ich habe keinen Talisman oder Glücksbringer, den ich vor Beginn meiner Auftritte einsetze. Ich glaube, das liegt daran, dass ich inzwischen gelernt habe, dass in den kostbaren Momenten vor Vorstellungsbeginn manchmal ganz von selbst völlig unerwartete Dinge passieren können. Ein Beispiel: Ein Freund kriegt kein Ticket für die Vorstellung, oder ein Kollege erkrankt oder verletzt sich – da muss man sich ganz spontan und geistesgegenwärtig auf die neue Situation einstellen.
Wenn ich einen Glücksbringer oder Ähnliches hätte, und es käme zu einer solchen unerwarteten Stresssituation, dann würde ich den Talisman vielleicht in dem Moment komplett vergessen und hätte später, während der Vorstellung, mit Sicherheit ein schlechtes Gewissen oder würde mich verunsichert fühlen. Deshalb versuche ich lieber, meine Routine vor Vorstellungsbeginn so simpel und flexibel wie möglich zu handhaben. Dazu kann zählen: ein gutes Mittagessen, ein ausgiebiges Schläfchen, viel Dehnungs- und Atemübungen und: ein bisschen nette elektronische Musik, und zwar laut.
William Moore ist seit 2012 Erster Solist am Ballett Zürich und Christian Spuck schon aus seiner Stuttgarter Zeit als persönlichkeitsstarker ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Glücksbringer, Seite 13
von
Spätestens seit der Ära der Ballets russes saugt der Bühnentanz neue Einflüsse auf und revitalisiert sich dadurch selbst. Waren es erst die emotionale Tiefenbohrung des Ausdruckstanzes, dann Spielarten modernen und zeitgenössischen Tanzes, die durch -ihre größere Freiheit im Umgang mit dem Körper auch den Bühnentanz in ein erweitertes Aussagespektrum drängten, so...
Sie ist erst sechzehn, als sie verheiratet wird. In der Hochzeitsnacht erschreckt sie der Angetraute schier zu Tode. Und das erste Mal hat eher etwas von einer Vergewaltigung als von einem Liebesakt. Kein Wunder, dass die Ehe nicht halten kann, was sie den anderen verspricht. Der Mann geht fremd, nimmt Drogen, setzt schließlich seinem Leben ein Ende. «Mayerling»,...
Eines lässt sich gewiss feststellen, blickt man auf das belgische und niederländische Tanzgeschehen der zurückliegenden Saison: In beiden Ländern setzen widrige finanzielle und organisatorische Bedingungen dem Tanz empfindlich zu. Dies könnte auch ein Grund dafür sein, dass bedeutende künstlerische Ereignisse ausgeblieben sind. Eine bemerkenswerte...
