Romeo und Julia
Irgendwann musste auch er sich des Stoffs annehmen. Für Mauro Bigonzetti gehört «Romeo und Julia» einfach «zur DNA eines jeden Choreografen». So formuliert er es in der Einführung, die der Live-Aufnahme seiner «Romeo und Julia» aus dem Jahr 2006 vorangestellt ist. Anstatt die Geschichte der beiden unglücklich Verliebten nachzuerzählen, extrahiert Bigonzetti die Essenz des Themas, die Konfliktfelder Kampf und Liebe.
Darum gibt es keine Julia, keinen Romeo, nichts mehr von der übrigen Personage, nur eine Gang von neun Tänzern und neun Tänzerinnen, die bisweilen in modischer Lederkluft auftreten. Angesiedelt in einem futuristischen Endzeitambiente mit zwei riesigen Ventilatoren, das der italienische Künstler Fabrizio Plessi gebaut hat, entfalten die Mitglieder von Aterballetto einen gewaltigen Furor in der für Bigonzetti typischen Mischung aus modernem und klassischem Tanz, mit engem Bezug zur Musik Sergei Prokofjews. Die hat sich Bigonzetti, da er sich eh nicht an den Plot hält, von Bruno Moretti in eine neue Reihenfolge bringen lassen.
Auffälligstes Requisit des Stücks ist ein halbkugelförmiger Klumpen, einem Motorradhelm ähnlich, mit dem sich die Tänzer abmühen, der sie ...
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