Schlag artig
Es gibt Tänzer, die gibt’s nicht. Artistes chorégraphiques nennen sich bei den Ballets de Monte-Carlo die Künstler, die im Grimaldi-Forum mühelos die Bühne füllen: Bernice Coppieters zuvorderst, die unter dem Eindruck des zuvor Erlebten immer wieder erschaudert. Den Schlag in die Magengrube hat ihr Körper nicht vergessen. Die ganze Brutalität ihres Partners ist für sie nach wie vor wie mit Händen greifbar. Selbst wenn er sie in dem Stück nicht eine Sekunde lang wirklich berührt, scheint sie ihm wehrlos ausgeliefert.
Vor Schmerz schreit sie auf und windet sich aus seiner Umklammerung. Wie von dieser Erinnerung befreit, steht sie am Ende da, konzentriert wie eine Karate-Kämpferin. Ohne erkennbare Regung fasst sie ihn schließlich an. Ein Schlag mit der Linken – leblos fällt er zu Boden, wo bereits die anderen liegen.
Nicht grundlos nennt Sidi Larbi Cherkaoui seine Choreografie «In Memoriam». Er erforscht, was dem «klassischen» Körper an Erfahrung eingeschrieben ist, und versucht diese Erfahrung sichtbar zu machen. Aber so wenig Erinnerung je Wirklichkeit werden kann, so wenig greifbar ist die Gegenwart ohne Geschichte. «Allein durch ihre Erinnerung», meint Sidi Larbi Cherkaoui, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es macht nur noch bedingt Sinn, von Zeiten zu schwärmen, in denen es den Künsten besser ging – als der Bürger noch den Willen besaß, sich im aristokratischen Nachglanz des Balletts zu baden. Und den Tanz tatsächlich als sinnliches Bildungsgut zu begreifen. Doch die Mär von der Ökonomie ist längst überall eingezogen: Kultur wird nach Angebot und Nachfrage bewertet....
His house stands on a site saturated in ancient magic, atop a hill aligned to the positions of the morning sun and waning moon. A megalithic barrow tomb, long famed for ghostly activity, shares the windy crest. Many would say this is the perfect location to find Michael Keegan-Dolan, a man intensely attuned to the dark side of nature. From this eminence he can gaze...
Thierry De Mey, ist Ihr arte-Film «Ma mère l'oye» wirklich so neu? Ursprünglich handelt es sich um eine Auftragsarbeit der Opéra de Rouen, die zu einer Ravel-Aufführung des Orchesters auf drei Leinwände projiziert werden sollte. Zu diesem Zweck bat ich damals eine Reihe von Tänzer-Choreografen wie Anne Teresa De Keersmaeker oder Michèle Anne De Mey in den Wald,...
