unmündig...
Es gibt kein Theater, keine Performance, keine Tanzvorstellung ohne Zuschauer. Trotzdem ist dem Theater der Zuschauer als bloßer Zuschauer nie genug. Er soll mehr sein, soll ein Verstehender, ein Mitspieler, ein Kollaborateur werden. Jacques Rancière – französischer Philosoph der Ästhetik und Politik – beschäftigt sich in seinem Werk «Der emanzipierte Zuschauer» mit genau diesem «Paradox des Zuschauers». Warum darf der Zuschauer nicht einfach nur zuschauen?
Die traditionelle Skepsis gegenüber bloßem Zuschauen ist tief in unserer Kultur verankert.
Das Zuschauen ist seit Platons berühmtem Höhlengleichnis mit einer Illusion verbunden. Er hatte es sogar als Gegensatz zur Erkenntnis verhandelt. Gefesselt und gefangen, sitzen die Menschen passiv in einer Höhle und starren auf eine Projektion bloßer Trugbilder, Schatten, die sie womöglich für die Realität halten. Gefangen sind sie in der einen Perspektive, in der ihnen wie im Theaterstuhl die Hände gebunden sind. Sie können nur glauben, was sie sehen. Selbst aktiv werden können sie nicht.
Das Zuschauen sei somit eine Grundschuld des Theaters: Es erzeuge Illusionen und passive Menschen. Platon schloss daraus, das Theater sei generell ...
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Tanz Februar 2011
Rubrik: ideen, Seite 58
von Anke Euler
3sat
6. Febr., 22.15h: «Burlesque auf St. Pauli», Doku von H. Sandner
arte, www.artepro.com
5. Febr., 00.00h: Kulturmagazin Metropolis – Ungeschnitten: «Tanzvortrag» mit Fabrice Ramalingom
6. Febr., 6.00h: «Ravel und Debussy tanzen»: Die belgischen Choreografen Anne Teresa De Keersmaeker und Thomas Hauert sowie ein freies Tanzkollektiv haben kurze Tanzstücke zu...
Wie animierte Schlenkerpuppen hüpfen die Tänzer durch den Raum. Dabei atmen sie tief, so tief, als wollten sie die Außenwelt in sich aufnehmen. Sie beginnen sich rhythmisch zu schütteln, immer heftiger, werfen die Gliedmaßen in alle Richtungen. Sie drehen sich mit lang gestreckten Beinen und hoch gerissenen Armen in asymmetrischen Figuren: Schlenkerpuppen wie an...
...zeigt die Europapremiere seines neuen Werks. Nach seiner «Orgie der Intoleranz» verteidigt er nun mit zehn Performern den stolzen und autonomen Prometheus, der in der griechischen Mythologie den Göttern das Feuer stahl. Fabres «Prometheus Landschaft II» beginnt nur in der Grundierung seines Frühwerks «Prometheus Landschaft» von 1988. Sein Künstler ist aber nicht...
