Hoffnungsträger: Kristian Lever
In ganz anderer Mission unterwegs, trifft man am Bühneneingang der Dresdner Semperoper per Zufall: den diesjährigen Gewinner des «Erik-Bruhn-Preises» für Choreografie, Kristian Lever. Ein paar Stationen im Schnelldurchlauf: Geboren in London, aufgewachsen in Helsinki, ausgebildet in Moskau und an der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden – «totaler Augenöffner nach der stromlinien-förmig athletischen Erfahrung in Russland». Sagt der 26-Jährige beim Gespräch auf der besonnten Kantinenterrasse. Gelassen wirkt er, obwohl sein Terminplan schon jetzt nahezu überquillt.
Noch unterhält er ein Apartment in der Nähe des Hamburger Ballettzentrums, aber in den vergangenen zwölf Monaten hat er es genau sechs Wochen bewohnt: «Reine Verschwendung!» Der prestigeträchtige «Erik-Bruhn-Preis» hat seiner ohnehin staunenswert gestarteten Karriere noch mal mächtig Auftrieb gegeben. «An Intimate Distance», mit Sara Ezzell und Matias Oberlin vom Hamburg Ballett entwickelt, überzeugte die Jury in Toronto auf Anhieb. Was nicht verwundert, denn das feine Tanzgespinst aus Sehnsucht, Zorn und Melancholie angesichts der Unmöglichkeit, bedingungslos zu lieben, weist auf einen choreografisch früh Gereiften. ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 171
von Dorion Weickmann
Er ist 70 Jahre alt. Ein Hoffnungsträger? Er trägt jedenfalls seine Bühnenstücke in die Theater und zum Publikum hin. Wie Pakete. Die packt er aus. Dann gibt er etwas ab. Was und wie man ihm das abnimmt, ist die Frage, immer wieder. Ob man mehr als zuschaut, nämlich hinschaut. Vielleicht gar aufschaut.
Hoffnung ist ein zu kleiner oder zu einfacher Begriff für das,...
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