Jochen Roller
Ein Stück über den Holocaust? Ein Stück über «uns», die dritte Generation, die nicht mehr und noch immer betroffen ist von der Wucht einer unbegreiflichen Vergangenheit? Ein Stück über Bilder, die uns beim Aufwachsen begleiteten, Erzählungen und Albträume, die uns unsere Großeltern mitgaben? Der Berg an Fragen, den der Hamburger Choreograf Jochen Roller an sein jüngstes Projekt stellte, wuchs mit der Recherche am Material ins Unerträgliche.
Fragwürdigkeit war sein ständiger Begleiter: Ist Kunst nach Auschwitz, über Auschwitz möglich? Darf und kann man den Holocaust choreografieren, vertanzen? Gemeinsam mit der israelischen Kollegin und langjährigen Freundin Saar Magal entwickelte der 38-jährige Roller das Stück «Basically I Don’t But Actually I Do». Vor fünfzehn Jahren lernten die beiden sich in der Londoner Choreografenschmiede Laban Center beim Rauchen auf dem Flur kennen; in diesen fünfzehn Jahren beherrschte immer auch der Gedanke des deutsch-israelischen Verhältnisses ihre Freundschaft. Wie während ihrer Ausbildung trainierten sie nun täglich Cunningham-Technik und warfen den rechten Arm in die rechte obere Ecke – den Hitlergruß. Sie nennen es einen «choreografischen Lapsus».
S ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
je t’ A.I.M.E
Sie haben eine «Vereinigung von Individuen in engagierten Bewegungen» gegründet. Was macht sie genau?
Julie Nioche: A.I.M.E. soll nicht nur Werke für die Bühne kreieren, sondern auch pädagogische und medizinische Projekte betreiben, die Tanz beinhalten. Jeder von uns arbeitet selbstständig in seinem Bereich. Ich in der Kunst, Isabelle Ginot in Lehre...
Monte Carlo
«Étonnez-moi», soll Sergei Diaghilev zu Jean Cocteau gesagt haben. Unter diesem Titel gibt es nicht nur im Neuen Nationalmuseum von Monaco, in den Räumen der Villa Sauber und im Sporting d’Hiver, eine Ausstellung zum Thema «Serge Diaghilew et les Ballets Russes». Jean-Christophe Maillot, Direktor der Ballets de Monte-Carlo, scheint selbst mit seinem...
Eine leere Bühne in monochronem Grau, darüber ein gewaltiger Kronleuchter. Das Licht fällt gerade herab, bildet scharf abgegrenzte Ringe auf dem Boden, die an die strikten Linien von Mondrian-Kostümen in der 1960ern erinnern. Die Tänzer erobern die Bühne in kleinen Gruppen, ihre Bewegungen sind synchronisiert, klassische Ballettpositionen sind angedeutet, doch...
