Urs Dietrich: «Voice»
Sie ist die schrillste Stimme mechanischer Kommunikation. Eine Trillerpfeife eröffnet Urs Dietrichs neue Choreografie am Bremer Tanztheater. Die Akteure tasten sich auf der Schwelle zwischen privatem Körper und Kunstgestalt in Rollen und Identitäten, lauschen still in sich hinein. Horchen an lautsprecherähnlichen Kästen an der Wand.
Ein Rednerpult suggeriert Ansprache, ein Duett zeigt einen Dialog der Geschlechter als Machterkundung.
Welche Stimme erreicht die Tänzer? Welcher Klang spricht in ihnen selbst? Welche Signale senden sie an das Publikum? Welche Sprache spricht der Körper zwischen individueller Disposition und formalem Kanon?
«Voice» heißt das jüngste Stück des Bremer Tanztheater-Chefs. Ein fesselnd vielschichtiges Werk mit kunstvoll verschliffenen Szenen, in denen Grundmotive über Stimmungsfelder wandern und sich in surrealen Episoden auffächern. Die Trillerpfeife ist Leitmotiv und Leidmelodie. Zu ihrem Klang werden geschäftige Vertreter einer uniformen Business-Community auf der Sackkarre von Funktionsstelle zu Funktionsstelle geschoben und in den Dienstpuls getaktet.
Ihr schneidender Ton setzt Körper in Bewegung, die die Gesundheitsfunktionäre in Kitteln ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Rudolf Nureyev hat es gesagt: «Auf Technik greift man zurück, wenn einem die Inspiration ausgeht.» Das passt gut zum Portrait eines Tanzrebellen, den Aba Veblen im neuen Prachtband "Nurejew – Bilder eines Lebens" zeichnet.
Der im Henschel-Verlag erschienene, von Pierre-Henri Verlhac herausgegebene und von Vladimir Malakhov eingeleitete Fotoband zeigt vor allem...
Loïe Fuller ist die berühmte Rolls-Royce-Kühlerfigur. 1862 in Fullersburg, Illinois, geboren, wurde die berühmte Avantgardistin des Tanzes dreißig Jahre später auf den Folies-Bergères-Plakaten von Henri de Toulouse-Lautrec zur Heldin von Paris verhübscht.
In Wirklichkeit war Loïe Fuller stämmig, nicht besonders beweglich, auch nicht mehr ganz jung. Aber nach...
«Déjà Donné», französisch für «Recycling». So heißt seine Kompanie. Simone Sandronis Ausstattung und Bewegungssprache für «Cambio d’abito» (Kleiderwechsel) speisen sich aus zweiter Hand. Thematisch – es geht ums Auf-Spüren des Spektakels im Alltag, der alten Schwungkraft, unter Schichten abgelagert und begraben. Strukturell, weil Simone Sandroni das kalkulierte...
