Enrique Gasa Valga: «Gefährliche Liebschaften» in Innsbruck

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Wurzeln ranken sich entlang der grauen Zimmermauern, allerlei Geäst ragt in den kargen Bühnenraum. Halb Jagdschloss, halb Grab kündet dieses mit Kronleuchtern und Hirschgeweihen bestückte Gerippe schon im lustvollen Treiben des ersten Akts vom drohenden Absturz. Die Innsbrucker Inszenierung des einstmals skandalträchtigen Briefromans «Gefährliche Liebschaften» ist ein Taumel am Abgrund der großen Gefühle.

Momente der Leichtigkeit weichen tiefer Enttäuschung, zerborstene Baumstümpfe treten an die Stelle der zarten Waldlandschaft, Brahms’ dramatisches Klavierquartett folgt auf Schuberts heiteres «Forellenquintett».

Der Abend ist mehr von Emotionen als von Trieben geleitet, obwohl es anfangs aus dem Wald grunzt und kichert, prustet und stöhnt. Nicht die Machtspiele der Marquise de Merteuil, sondern die Geschichten der beiden Liebespaare, die sich in ihrem Intrigennetz zusammenfinden, stehen im Vordergrund. Statt dem Rachemotiv der Marquise nachzugehen, konzentriert sich Ballettdirektor Enrique Gasa Valga auf die Facetten der Leidenschaften. Die Marquise – als einzige auf Spitze und mit eisigem Blick getanzt von Anna Romanova – macht sich diese Leidenschaften zunutze, bis ihr die ...

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Tanz April 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 48
von Miriam Althammer

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