Mein wunderbarer Waschsalon
Gustave Flaubert, 1851 von einer Orientreise heimgekehrt, schwärmte von der arabischen Tänzerin und Kurtisane Kutchuk Hanem, die ihm so völlig eins erschien mit sich selbst wie eine Katze. Der französische Schriftsteller beschrieb passagenlang ihre willkürlich und animalisch wirkenden Bewegungen, die Grace Ellen Barkey von zwei Männern tanzen ließ, Claude Godin und Eugenio Jimenez. Die beiden forderten einen hinreißenden Striptease heraus, damals entblößte sich Petra Bolte über dem Leib des Schauspielers Mil Seghers, und ein Gedicht von e.e. cummings wurde aufgesagt.
Diese so unverfrorene, so warmherzige Körperlichkeit und Ungeschütztheit ihrer ersten Choreografie «One» von 1992 wurde legendär. Als Grace Ellen Barkey später die Teetrinkerin im Stück «No Comment» ihres Lebensgefährten Jan Lauwers tanzte, thronte sie auf Knien im kostbaren Seidenkleid. An den Gelenken klimperte eine wilde Schmuckpracht, die Finger verselbstständigten sich wie im indischen Bharatanatyam. Der reich verzierte Helm, den sie trug, war ein Kunstwerk: Plättchen, Spiegel, kleine Antennen, ihr Kopf war übersät mit Geschmeide. Grace Ellen Barkey tanzte damals reinsten Exotismus. Und Flaubert und der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Royal Ballet hat zwei auf seiner Gehaltsliste stehen, die aus der Ukraine stammen. Einer ist der schöne Ivan Putrov, ein längst etablierter Tänzer mit einer ganzen Reihe wichtiger Rollen in seinem Portfolio. Der andere ist der kommende Star: Sergei Polunin, der auf den jüngsten Postern und Broschüren für die Kompanie mit einem perfekt ausgeführten Jeté vor dem...
Die beiden gehören zu den wenigen Niederländern, deren Arm aus der freien Szene heraus tief hinein in die deutschen Stadttheater reicht. «Sporen» heißt das 2003 entstandene Werk von Andrea Leine und Harijono
Roebana, das nach einer erfolgreichen Amerikatournee (welche freie Gruppe bekommt das schon hin?) ihren Mix aus Barockmusik und zeitgenössischen Komponisten...
Vancouver lässt sich nicht lumpen: Die Olympischen Winterspiele umschließend, gibt es seit Januar eine «Cultural Olympiad», die noch bis März alle mögliche Kunst in der westkanadischen Metropole präsentiert. Mit dabei ist Marie Chouinard aus Montréal, die in Vancouver ihr neues Stück zur Uraufführung bringt. In «The Golden Mean (Live)» will sie Bewegungen zeigen,...
