Carolin Emcke/Didier Eribon
Es ist der Körper, genauer: der «fotografierte Körper aus der Vergangenheit», der ihm zeigt, wie tief und unauslöschlich seine Klassenherkunft in ihn eingeschrieben ist. Als Didier Eribon das erkennt, ist er längst einer der führenden Intellektuellen Frankreichs. Er hat eine vielbeachtete Biografie über Michel Foucault verfasst, ist Vordenker der Queer Studies, Philosophieprofessor in Paris und Amiens. Die eigene Herkunft aus dem Arbeitermilieu scheint weit hinter ihm zu liegen. Dann stirbt sein Vater. Eribon reist nach Hause, nach Reims. Wo er ewig nicht war.
Gemeinsam mit der Mutter kramt er alte Fotografien seiner Familie hervor, aus den Körpern auf diesen Bildern kann er nichts anderes lesen als den «sozialen Körper»: den Körper seiner Klasse, die längst verdrängte Armut des Prekariats.
Gegen den Hass
Seit im letzten Sommer Didier Eribons autobiografisch-soziologischer Essay «Rückkehr nach Reims» in Deutschland erschienen ist – in Frankreich kam er 2009 heraus –, sorgt das Buch für Diskussionen. Der Autor fordert die politische Linke auf, zu den Belangen der vernachlässigten Arbeiterklasse zurückzukehren, und sein Plädoyer für linke Selbstkritik inspiriert offenbar nicht nur ...
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Tanz Mai 2017
Rubrik: Menschen, Seite 26
von Nicole Strecker
Ausstellung
Rudolf Belling
In diesem Œuvre kreuzen sich zwei Achsen der Moderne, trifft futurokubistische Ästhetik auf die schwingenden Formen des Tanzes aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Die Skulpturen von Rudolf Belling (1886 – 1972) balancieren auf der Grenze zwischen Ausdrucksemphase und geometrischem Art déco. Vielfach hat der Tanz ihnen Pate...
Die diesjährigen «Zeitgenössischen Schweizer Tanztage» waren nicht gerade das Highlight im Alltag einer Tanzjournalistin. Ich habe mich Anfang Februar am Schaufenster für Schweizer Tanz in Genf drei Tage lang gelangweilt und mich immer mal wieder gefragt, was wohl sozial verträglicher wäre: Weglaufen oder Powernap. Wummernde Bässe, mal schneller, mal langsamer,...
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