dore hoyer erinnern
Meine Tochter war fünf Wochen alt und ihr Nacken blockiert, weshalb sie mehr über die linke Schulter schaute als über die rechte. Meine Frau und ich gingen mit ihr zum Osteopathen. Die Praxis für Neurologie und Chiropraktik war ein Familienbetrieb: Der Vater war Osteopath. Der Sohn lernte es damals noch. Er suchte den richtigen Handgriff, aber es klappte noch nicht richtig. Also holte er seinen Vater. Unsere Tochter schien jetzt gerader, und der Sohn sagte etwas entschuldigend: «Ich lerne halt noch. Während ich drücke und drücke, kommt mein Vater mit einem Handgriff aus.
Schönen Tag noch.» Und verschwand zum nächsten Patienten.
Was sich hier ereignete, berührt auch eine der Grundlagen im Tanz: Wissen und die dazugehörigen Handgriffe, eine Praxis oder auch Technik, werden von einer Generation auf die nächste übertragen. Die Geschichte der Osteopathie und das gesamte Wissen einer Heilmethode wurden in diesem einen Augenblick kontraktiert, um vom Vater zum Sohn überzuspringen und um durch die Berührung zwischen den Medizinern und unserer Tochter heilend zu wirken. Ein solcher Moment braucht Übung und Studium. Handgriffe und Bewegungsabläufe müssen immer wieder von Neuem ausgeführt, ...
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Tanz Dezember 2011
Rubrik: traditionen, Seite 56
von Martin Nachbar
«Als Solotänzerin habe ich letzten Juli eine Nichtverlängerung bekommen. Ich bin der Auffassung, dass das nicht geht, denn mit Ende der Spielzeit 2010/11 war ich 15 Jahre ununterbrochen an diesem Theater tätig. Darüber hinaus kann ich mir nicht vorstellen, dass die Gründe, die mir der Intendant für die Nichtverlängerungsmitteilung bei der Anhörung genannt hat,...
Eine Gewissheit verbindet die inhaltlich oft gar nicht übereinstimmenden Tanzwissenschaftler, Tanzkritiker, Kuratoren, Politiker, bisweilen auch die Choreografen: Der Tanz ist die flüchtigste aller Künste. Diese Behauptung liest und hört man mit schöner Regelmäßigkeit; sie wird wie ein Mantra wiederholt, wenn in Rezensionen, Essays oder Sonntagsreden der Tanz mit...
In Koblenz beginnt eine neue Ballettära. Fast 30 Jahre lang leitete der Engländer Anthony Taylor die Kompanie. Ausgeschieden aus Altersgründen, geht ein Neuer an den Start: Steffen Fuchs. Der 37-Jährige kam durchs DDR-Fernsehballett zum Tanz, war lang bei Uwe Scholz in Leipzig. Seine Choreografenausbildung absolvierte er an der Palucca-Schule.
Nun ein Neuanfang,...
