Wie antik ist die Klassik?
Eines Tages, so geht die Legende, erwachte der volkstümliche Mensch des Mittelalters aus seiner Bevormundung durch Gott und die Kirchenväter, indem er sich, angeleitet durch kluge Mönche, das Lesen und Schreiben beibrachte.
Was dieser Mensch an unzähligen Feiertagen bei der Lektüre entdeckte, während Kriegswirren rundherum und die Entleerung der Landschaft durch Epidemien sein Misstrauen zusätzlich schürten, hat ihn schier umgehauen: Es gab vor langer Zeit und im fernen Süden tatsächlich Völker, die nicht an den einen Gott glaubten, die sich ihre Zeit arkadisch mit den Künsten vertrieben, und die, falls sich ihre Geldschatulle zu leeren drohte, ein paar Provinzen ausbeuteten. Auf deren Trümmern war die römisch-katholische Kirche errichtet worden. Und auf diesen Trümmern thronte nun der große Gegenspieler der Welt, der Papst: auf einer untergegangenen Kultur, von der es hieß, sie sei des Teufels, weil sie verantwortlich war für den Mord an Jesus Christus. Dass der Papst in Rom sozusagen als Rächer auf einer Kultur saß, die die Christen in die Katakomben getrieben hatte, gab ihm das Recht zu behaupten: «Nie wieder solle ein Mensch so leben dürfen, dass er der Ordnung der Christenheit widerspräche.» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Noch ist sie Gruppentänzerin im Hamburg Ballett. Im verflixten siebten Jahr startete die bühnenpräsente 27-jährige Brasilianerin durch. Sie profilierte sich in mehreren Solopartien, weckte bereits in der ersten Spielzeit-Premiere als Mädchen in John Neumeiers Choreografie von Maurice Ravels «Daphnis und Chloë» Aufmerksamkeit und Neugier. Mariana Zanotto gab der...
Kettly Noël bezeichnet sich gern als «schwarze Choreografin, die in Afrika arbeitet» – die Differenzierung ist ihr wichtig, denn sie kommt aus Haiti, nicht aus Mali, wo sie heute wohnt – nach Zwischenstationen in Paris und Benin. In den «besseren Vierteln» der Hauptstadt Bamako hat sie ein schönes Haus mit einem Theater im Garten. Dort lebt und arbeitet sie, und...
Wo ist die echte «Giselle»? 1841 wurde das Ballett in Paris uraufgeführt und erfuhr seine erste Veränderung schon ein Jahr später in St. Petersburg. Dort wurde es mehrfach «rekonstruiert», und es geschah, was den Leiter des Deutschen Tanzarchivs Köln, Frank-Manuel Peter, nicht wundert, dass die Choreografie der «Giselle» dem Geschmack der Zeit angepasst wurde....
