Virtuell
Lev Manovich, der Russe in Kalifornien, ist ein brillanter Medientheoretiker. Von ihm stammt der Begriff des «augmented space», des «wachsenden Raums». Zwar wird nicht die Erde größer, aber die Fülle an Information. Keine Kreuzung, kein Supermarkt, keine Landesgrenze ohne Datenerfassung. Immer mehr Orte werden ausschließlich von Daten gesteuert, nicht nur virtuelle Orte wie Computerwelten. Sondern ganz reale Orte wie Flughäfen, Tankstellen und Grenzkontrollen. Lev Manovich sagt: «Virtuell» war gestern.
Jetzt hat sich materialisiert, was die 1990er Jahre romantisch noch «Cyberspace» nannten. Die Datenkolonien von einst, der exotische Raum der Simulatoren oder Computerspiele, haben einen realen Körper erhalten. Mit jedem eingeschalteten Mobiltelefon, jedem Navigationssystem im Auto, jedem Messgerät am Boden, im Wasser oder in der Luft «verdichtet» sich die bloße Realität zu einer elektronischen Entität. Ich bin, als physischer Kunde, nicht mehr nur Kunde, sondern per Kreditkarteninformation auch eine elektronisch bekannte Umsatzgröße. Das ist ein existenzieller Unterschied. Eine Tsunamiwelle ist physikalisch eine kaum merkliche Erhöhung des Meeresspiegels, aber im «augmented space» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Martin Schläpfer ist vielleicht kein typischer Schweizer, aber er besitzt ein paar Tugenden, die in der Schweiz etwas gelten und die ich je länger je lieber mag: Freundlichkeit, Arbeitsethos, um nicht zu sagen: Fleiß, Skepsis, Präzision, Beharrlichkeit und eine gewisse Schrägheit, wie man sie nur im Voralpenland findet. Was Schläpfer macht, und er macht seit Jahren...
Mein erstes Buch, das ich mit 18 Jahren nicht schrieb, sondern klebte, handelte vom Raum. Ich verdiente mir vor Weihnachten das Taschengeld auf unserem lokalen Postbüro, indem ich die eingeschriebenen Sendungen in ein Buch übertrug. Hinter mir tickte der Telegraf, und ein Kollege zerschnitt den endlosen Nachrichtenstreifen in für das Telegrammformular passende...
Was in Düsseldorf zum Tanzalltag gehört, fehlte Hamburg bisher: ein Tanzhaus. Das bekommt die Stadt auch jetzt nicht, aber immerhin ein Choreografisches Zentrum. Es fällt zwar nicht so großzügig aus wie jenes in Essen, doch wird in der Elbmetropole, die sich gern als Tor zur Welt hochstilisiert, endlich eine peinliche Lücke geschlossen. Denn in Hamburg herrscht so...
