Rituale: Lin Hwai-min
Im September 1993 vor der Premiere von «Nine Songs» erhielt ich in meiner Garderobe ein Geschenk: eine vergoldete Buddha-Statue im Thai-Stil. Anstatt sie mit nach Hause zu nehmen, beschloss ich, sie bei meiner Kompanie, dem Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan, zu belassen. Wir errichteten ihr einen kleinen Schrein in unserem Studio und huldig-ten ihr jeden Tag.
Da Cloud Gate jährlich mehr als hundert Tage tourte, war ich in dauernder Sorge: Ich wollte, dass die Kompaniemitglieder heil und gesund zu ihren Familien zurückkehrten, sah mich aber außer Stande, sie persönlich vor Verletzungen und Unfällen zu bewahren. Also musste ich Buddhas Segen erbitten. Wir nahmen die Statue also ein paar Jahre lang auf unsere Reisen mit, bis ich eines Tages ein schlechtes Gewissen verspürte, dass wir Buddha solche langen Reisen und Flüge zumuten mussten. Damals ersetzten wir die Statue durch ein Porträt.
Immer wenn wir an einem Gastspielort ankamen, gehörte es zu meinen ersten Handlungen, in einer der Garderoben einen mit frischen, duftenden Blumen geschmückten Schrein zu errichten. Dort betete ich jeden Tag – direkt nach dem Betreten und kurz vor dem Verlassen des jeweiligen Theaters. Ich betete ...
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Tanz Jahrbuch 2019
Rubrik: Glücksbringer, Seite 14
von
Da hat eine ihr Thema gefunden. Da bohrt sich eine Choreografin unerbittlich zu den Tiefenschichten ihres Bewusstseins durch, spürt ihren Traumata nach oder auch nur den leichten Irritationen, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle für Unbehagen in ihrem Leben sorgen. Reut Shemesh, 1982 in Tel Aviv geboren und aufgewachsen in einer Familie, in der die eine Hälfte...
Im stillen Teich, und das ist die italienische Tanzlandschaft, war der einzige Stein, der das Wasser kurz in Wallung brachte, die Vergabe des «Goldenen Löwen» auf der Biennale von Venedig für die Lebensleistung des 43-jährigen Choreografen Alessandro Sciarroni. Der Italiener darf sich somit einreihen in die illustre Liste von Preisträgern, auf der Merce Cunningham...
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