unisono

Alle zusammen: Der Einklang der Körper, das Tanzen im Gleichschritt erlebt sein Revival.

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«Wir sind mehrere, doch wir fühlen uns wie ein Körper.» Das klingt nach Nirwana. Einfach romantisch. Fast wie ein Grundbedürfnis des Menschen. Einer Gruppe angehören, in der Gemeinschaft aufgehen und sein Glück dann allen zeigen, im Takt, im Gestus, in Harmonie. Stellvertretend für den Zuschauer auf einer Bühne durchleben, wovon das Publikum vielleicht unbewusst auch träumt. Das wär’s doch: im besten Fall. Der schlimmste dagegen ist demagogischer Missbrauch: die Machtdemonstration.

Er kommt im Gleichschritt auf der politischen Bühne daher, wenn Zigtausende im Einklang den Arm heben, die Hand an die Schläfe legen und marschieren. Was ist Identität, wie viel zählt ein Individuum?

Es gibt auch ein statistisches Unisono, in dem nur die Masse zählt, der Einzelne nichts. Es gibt ein romantisches Unisono im Corps de ballet, als ein Reigen der Tutus. Aber was empfinden 50 Ballerinen, wenn sie gemeinsam einknicken? Sind sie glücklicher als 1500 Häftlinge einer philippinischen Strafanstalt, die zu Michael Jacksons «Thriller» eine Massenchoreografie mit dem «Peace»-Symbol beenden und sich dabei als Personen erleben und durch die Gemeinschaft leben? Mit Sicherheit nehmen sie mehr Emotionen mit ...

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Tanz Juni 2011
Rubrik: ideen, Seite 58
von Thomas Hahn

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