Männer in Strumpfhosen
Am Anfang des 19. Jahrhunderts hatten noch die Männer die Bühne dominiert. Dann standen, im Romantischen Ballett, die Tänzerinnen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Aufgabe der Tänzer, wie damals Jules Perrot und Arthur Saint-Léon, war, der gefeierten Ballerina ihre starken Arme zu leihen. Der neue Stil betonte die weicheren Bewegungen und den leicht gebeugten Oberkörper, was besonders der weiblichen Eleganz zupasskam. Der Spitzenschuh kam in Mode, was noch feinere Fußarbeit erlaubte. Und um die besser sehen zu können, wurden auch die Röcke kürzer.
Bis heute werden diese Standards des Romantischen Balletts von vielen Kompanien hochgehalten, denn die traditionellen und scheinbar zeitlosen Handlungsballette finden immer noch ihr entzücktes Publikum. Im Mittelpunkt: die Ballerina. Wie passen da moderne Männer in dieses weibliche Bild vom Ballett? Spielen die Topathleten von heute noch immer die zweite Geige? Wir fragten die Männer am Bayerischen Staatsballett, den Ersten Solisten Alen Bottaini und seinen Chef Ivan Liska.
«Ballet is a woman», ihre Partner nennt man «Männer in Strumpfhosen». Was sagen Sie zu diesen kaum ausrottbaren Vorurteilen?
Alen Bottaini: Wir arbeiten hart daran, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn Sie die Gelegenheit haben, Jean-Sébastien Lourdais’ intuitive Körperlichkeit zu erleben, ergreifen Sie sie! Der Autodidakt mit der untypischen Herangehensweise kommt ursprünglich aus Frankreich, lebt aber seit über einem Jahrzehnt in Montreal. Bei ihm sprechen Gesten eine lautere Sprache als Worte. Er betont das Instinktive und präsentiert Figuren im Zustand...
Tanz braucht eine Geschichte, auf die er, wie andere Kunstformen auch, zurückgreifen kann – war dies ein Motiv für Ihre Arbeit?
Millicent Hodson: Die Tanzgeschichte ist sehr stark mit dem Thema Verlust verknüpft. Daraus wurde sogar etwas Heroisches: Dass der Tanz deshalb wunderbar ist, weil er verschwindet. Ich persönlich möchte aber die Dinge sehen, die so...
Wo ist die echte «Giselle»? 1841 wurde das Ballett in Paris uraufgeführt und erfuhr seine erste Veränderung schon ein Jahr später in St. Petersburg. Dort wurde es mehrfach «rekonstruiert», und es geschah, was den Leiter des Deutschen Tanzarchivs Köln, Frank-Manuel Peter, nicht wundert, dass die Choreografie der «Giselle» dem Geschmack der Zeit angepasst wurde....
