Ja. Nein. Vielleicht.

Mediation und Meditation mit Dana Caspersen und dem Kölner MD Kollektiv – ein Selbsterfahrungsbericht.

Tanz - Logo

«Glauben Sie, Gewalt ist unvermeidbar?» − Glaube ich das? Die Frage steht auf einem der Zettel, die Zuschauern in die Hand gedrückt werden, damit sie gemeinsam mit einem anderen Besucher über diese und ähnliche Fragen reflektieren. Denken, dabei gehen, einmal diagonal durch den Raum. Über eine Strecke von vielleicht 20 Metern gilt es nun, einem mir bislang völlig unbekannten jungen Mann meine Haltung zu Gewalt zu offenbaren. Ich schwadroniere, der Mann läuft neben mir, Kopf gesenkt, keine Reaktion, kein Blickkontakt. Sehr verunsichernd.

Auf der Hälfte des Weges werden die Rollen getauscht: Er muss nun die Frage beantworten. Er schweigt, geht schneller, ich folge unwillig, unsere Körper entfernen sich einen halben Meter voneinander – eine vielsagende Distanz. Gleich ist er am Ziel, da sagt er: «Müsste ich drüber nachdenken.» Genau. Müsste man.

Ohne Denken geht gar nichts bei «The Exchange», einem interaktiven Projekt vom Kölner MichaelDouglas Kollektiv und Dana Caspersen, Ex-Forsythe-Star, Choreografin und Mediatorin. Für die Kölner Uraufführung wählte das Team eine Kirche, die Kunst-Station St. Peter: ein heller und halliger Sakralraum, Fenster aus buntem Glasmosaik, eine Orgel, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Körper: Im Wandel, Seite 76
von Nicole Strecker

Weitere Beiträge
Sidi Larbi Cherkaoui

Sidi Larbi Cherkaoui, gibt es eine Grenze, vor der Ihre Vorstellungskraft zeitbedingt kapitulieren würde, etwa wenn Sie wie jetzt gerade die Barockoper «Les Indes galantes» in München inszenieren?
Das ist alles immer eine Frage des Einfühlungsvermögens. Wenn Sie mit einem Charakter konfrontiert sind, der einen Sklaven hält, ist es schwierig, sich in ihn...

Die Hoffnungsträger

Ihre Stücke entfalten einen hypnotischen Sog. Dabei sind es dunkle, geheimnisvolle Welten, die diese Choreografin entwirft. Gedankliche Tiefe und konzeptuelle Strenge gehen immer einher mit einer hinreißenden Sinnlichkeit. Bei ihren bildstarken Arbeiten fällt die Affinität zur Bildenden Kunst sofort ins Auge. Wie sie die Körper im Raum arrangiert, hat skulpturale...

Die Hoffnungsträger

heißt die einzig legitime Nachfolgerin von Valeska Gert. Vielleicht kennt sie Gert nicht, denn Freitas kommt von den Kapverdischen Inseln. Aber sie kennt den Karneval ihrer Heimat, und der ist absolut «gertissimo». Freitas inspiriert sich an seinen grotesken Grimassen, Gesten und Gliedern. Und vergrößert sie ins Unheimliche. In ihrem Solo «Guintche» verwandelt sie...