unglaublich...
ist, dass ein Regime 1,7 Millionen Bürger tötete, weil sie nicht dessen Vorstellungen vom wahren Kommunisten entsprachen. In Kambodscha verfolgte man zwischen 1975 und 1979 auch die, die eine Brille trugen und damit als Intellektuelle angesehen wurden. Das südostasiatische Land hat den Genozid der Künstler, Gelehrten, Ingenieure und Tänzer durchgemacht. Verständlich, dass es bis heute in Kambodscha viel Misstrauen gibt.
Auch im Tanz, schreibt Susanne Lenz (auf Seite 56): Wagt es eine Choreografin beim Versuch, die uralten, religiös fundierten Traditionen wiederzubeleben, moderne Gedanken in die Tänze einzuflechten, ist der Dünkel groß. Den dreieinhalbtausend Worten der kambodschanischen Sprache entsprechen ebenso viele Gesten im Namen des Reichsgründers Jayavarman II. Seine Herrschaft beruhte darauf, im Namen von Indra, dem König der Götter, regieren zu dürfen. Wer daran rüttelt, ähnelt einem westlichen Choreografen, der an unseren Werten wie Menschenwürde, Gleichheit und Emanzipation zweifeln wollte.
«Religionen keimen in einer gesellschaftlichen Nährlösung, die die Verrichtung von Sinn und den Hunger nach Sinn zugleich betreibt», schreibt der ehemalige Ballettdramaturg und ...
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...landete 2008 in Essen mit «Leonce und Lena» einen veritablen Erfolg. Die Kritikergilde war überwiegend entzückt von seinem Versuch, Georg Büchners Satire in Tanz zu übersetzen. Zumal bei einer literarischen Vorlage, in der herzlich wenig Handlung stattfindet, dafür jede Menge höfisches Gelangweiltsein. Das geht, indem man streng stilisiert, bis hin zu...
Die Damen des Balletts neigen sich auf dem Cover grazil unterm Palmwedel und sehen in diesem alten Libretto gar nicht exotisch aus. Im Gegenteil: Der geneigte Oberkörper, die abgewinkelten Handgelenke, das lange Tutu weisen sie als typische Vertreterinnen des Romantischen aus, stünde da nicht der Name Esmeralda, der dem Ganzen den Klang des Fremden gibt. Den Spuren...
Ecce homo. Siehe, eine erbärmliche Kreatur. Sie hat Auschwitz geschaffen. Sie führt Kriege, missbraucht ihre eigenen Kinder. Sie wird alt, tatterig und krumm, ersäuft in ihrem eigenen Exkrement. Die Würde des Menschen – wie kostbar sie sein sollte, spürt man erst, wenn einer kommt und sie aufs Brutalste attackiert. Romeo Castellucci ist so ein zorniger Theatergott....
