Marie-Agnès Gillot

ist «La nonconformista», die Amazone unter den Étoiles des Pariser Opernballetts und eine Kämpfernatur mit entschieden verletzlichen Zügen.

Tanz - Logo

Es ist Freitag, der dreizehnte. Auf der Zielgeraden droht die wochenlang abgestimmte Terminplanung zu platzen. Das Flugzeug hat Verspätung, die Pariser Verkehrsadern sind wie üblich verstopft. So erreicht die Besucherin das Amphitheater in den Katakomben der Bastille-Oper erst in allerletzter Sekunde. Einhundertfünfzig aufgeregte Schüler werden hier gleich eine Überraschung erleben und einen jener Sterne am französischen Tanzhimmel bestaunen, die sonst eine Etage drüber, auf der großen Bühne des Hauses, die Herzen des Publikums höher schlagen lassen.



Nichts läuft wie geplant an diesem Tag, auch nicht für die Choreografin. Von jetzt auf gleich ist ihre  Hauptdarstellerin ausgefallen. Also hat Marie-Agnès Gillot beschlossen, selbst in «Les rares différences» aufzutreten – «zum ersten Mal in meiner eigenen Choreografie, dafür war es gar nicht übel!» In der verschachtelten Opern-Cafeteria lässt sich die Primaballerina aufs Kunstlederkanapee fallen. «Les rares différences», ein Mix aus HipHop und zeitlupenlangsamen Berührungsetüden für Minimalbesetzung – zwei Männer, eine Frau –, ist Gillots zweite eigene Arbeit. Die Kids haben frenetisch applaudiert. Die Debütantin ist mit ihrer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2009
Rubrik: Portrait, Seite 54
von Dorion Weickmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Gaukler

Was immer man einen Künstler fragt: der Grat zwischen produktiver Neugier und Indiskretion ist ein schmaler. Breiter wird er, wenn man wie bei einem Balanchine oder Forsythe sich auf Fragen nach Form und Struktur verlassen kann und darüber die persönlichen Imponderabilien gern vernachlässigt. Sie sind ja ohnehin nur spannend, wenn sie gehörig sublimiert werden....

Jirí Kylián

trägt die Melancholie im Blick, die Abgründe im Herzen und den Schalk im Nacken. 25 Jahre lang, von 1974 bis 1999, leitete er eine der erfolgreichsten Tanzkompanien Europas, das Nederlands Dans Theater in Den Haag. Das besitzt etwas sehr Seltenes: ein eigenes Haus und restlose Freiheit. Bei Kylián ist der Tanz keine Sparte, sondern ein Traum von Freiheit. Immer...

Das Bild und seine Geschichte

Diese schwergewichtigen Tänzer wollen unbeschwert und völlig losgelöst hoch hinaus. Auf Kuba, der kommunistischen Karibik-Insel mit all den drahtigen Muskel-Macho-Männern, hat die Companía Danza Voluminosa eine zweite Revolution angezettelt. Wann sah man je so füllige Ballerinen so kokett ihre mächtigen Schenkel lüpfen oder mit weit ausgespannten Wabbelarmen zum...