Die Tanz-Schwelle
Kein Tänzerkongress
2006. Noch nie war ein gemeinsames Curriculum für Tänzer so nah, die Tanzhochschule machbar. Und nie zuvor war die grundsätzliche Klärung des Richtungsstreits zwischen Moderne und Klassik so demonstrativ obsolet. Programmatisch wird der Tanzkongress Deutschland im Berliner Haus der Kulturen der Welt von drei Choreografen eröffnet, die für diese Versöhnung stehen. Die «zeitgenössische» Waltz erarbeitet ein Solo mit dem «klassischen» Intendanten des Staatballetts Berlin, Vladimir Malakhov.
Sasha Waltz kündigt dazu ein «Alphabet der Emotionen» an. Thema der gemeinsamen Proben sei der Schrei, nach Edvard Munch, den sie «auffächern will in Verzweiflung, Lebenskraft, Wut». Zeitgenössischer Tanz soll so zurückfinden zu einer historischen Weggabelung: dem Ausdruckstanz. Sasha Waltz geht einen Schritt zurück, Vladimir Malakhov einen Schritt vor. Dazu wird William Forsythes «N.N.N.N.» von 2002 gereicht, ein Ballett für Arme, Köpfe, Hände und vier Männer mit zahlreichen Anspielungen auf Dadaismus und Taylorismus. Forsythe tanzt in der Spur der historischen Avantgarde. Waltz, Malakhov tanzen die Versöhnung der Moderne mit dem Klassischen. Aller Grundlage ist das Ballett. ...
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Tanz April 2006
Rubrik: Wissen in Bewegung, Seite 14
von Arnd Wesemann, Erika Fischer-Lichte
They said he could not do it, that it was too late and his body was not right for movement. He responded by developing a path that has its origin in memory and the continuous redoing of the movement. Paulo Ribeiro, one of Portugal’s most important choreographers, reacted to criticism with choreographies that deconstructed the Portuguese “fado“ with tense humour and...
In den 1920er Jahren hatte sich der moderne künstlerische Tanz als Teil der Lebensreformbewegungen etabliert. Er war zu einer Art Massenbewegung geworden, mit einer Vielzahl von Teilnehmern, deren tanztechnisches Niveau mäßig bis schlecht war. Das öffentlich präsentierte Mittelmaß und auch das Beharren auf «seelischem Ausdruck» im Tanz ohne ausreichende persönliche...
Auch die Welt der Kunst hat lernen müssen, mit dem Druck ökonomischer Effizienz und den Kriterien der Profiterwirtschaftung zurechtzukommen. Der Künstler ist risikobereit wie ein Unternehmer oder Freiberufler. Eigentum, Profit und Entlohnung basieren auf der Eigeninitiative, mit der der Künstler als eigenständiger Schöpfer auftritt. Zugleich rückt die ausgeprägte...
