«Welches Tanzereignis hat Sie am meisten berührt?»
pina bausch
Inszenierte Hysterie: Es war bei einer Inszenierung von Pina Bausch – leider weiß ich nicht mehr, welche –, dass ich, wohl zum ersten Mal, begriffen habe, was Tanz auch alles sein kann: nicht nur Bewegung des Körpers, sondern auch Sprache, Dichtung, Ironie, soziologische Analyse (vor allem der Geschlechterverhältnisse). Dabei wusste ich doch schon viel darüber, wie der Körper zu sprechen beginnt, wenn ihm die Sprache versagt wird – der beredte Körper der Hysterie ist dafür das wichtigste Beispiel.
Aber dass es möglich ist, diese eigentlich unbewusste Sprache in einen konzipierten Tanz zu übertragen, das wurde mir hier zum ersten Mal vor Augen geführt. Ein erhellendes und beglückendes Erlebnis.
Christina von Braun, Kulturforscherin
kammer/kammer
Es ist eine der letzten Aufführungen von William Forsythe mit seinem feinnervigen Ensemble. Dieser Abend schmerzt. Momente voll tiefer Trauer über das Ende einer Ära, die wie kaum eine andere den Tanz in die Zukunft geführt hat. Ein beschämend leiser Abschied in Frankfurt für einen, der unserer Zeit den Puls fühlt. Wut über die wiederkehrende Ignoranz von Entscheidungsträgern. Unverhofftes Glück zugleich, noch einmal in den ...
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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: momente, Seite 10
von
Ein denkwürdiger Moment: Als sich 2001 im Londoner Royal Opera House der Vorhang nach dem ersten Akt senkt – es ist Alina Cojocarus Debüt als Giselle an der Seite ihres Partners Johan Kobborg –, blicke ich mich im Saal um und sehe etwas, das ich schon viele Jahre nicht mehr erlebt habe: Zuschauer, die sich die tränennassen Gesichter trocknen.
Alinas Wahnsinns-Szene,...
erhielt 2014 für ihr Stück «Teruel» den Publikumspreis des Off-Festivals von Avignon. Die Kompanie aus Sion in der Schweiz verwirklicht konsequent ein Konzept, mit dem sie vor 25 Jahren begann. Finanziell unabhängig und als Stiftung organisiert, wagt die Truppe immer komplexere Projekte, besitzt ein eigenes Theater, vernetzt sich lokal wie global und verteidigt...
Das Label Hoffnungsträgerin soll ihr als Choreografin-Tänzerin gelten, aber es gilt auch – in ihrer Person – stellvertretend für die Künstler, die sich mit einem Stück explizit an ein bestimmtes Publikum wenden. Die Zielgruppe hat einen Namen: Kinder. Trotzdem kann sich in Pfundtners Fall jeder das Stück anschauen. Besser noch: Sollte! Pfundtners «nimmer» ist klug,...
