Der Querkopf
Der Querkopf ist ein Charakterkopf. In Westdeutschland wäre er ein Querulant. In Ostdeutschland bewundert man ihn. Heimlich. Offen sagt keiner, dass Jo Fabian und seine denkstirnigen Thesen zum «Spektralsurrealismus» tolles Renitententum darstellen. Auf dem Berliner Tanzkongress wird er bei Hannah Hurtzig am 20. April vis-à-vis eines einzelnen Zuhörers die Kunst frei als eine Welt erklären. Im Tesla im Podewil‘schen Palais vom 21. bis zum 23. April setzt er seinen living.types.
compiler fort als einen makabren Schlusspunkt unter das Geraune um die «Interaktivität» im Tanz. Das Playstation-begabte Publikum darf an Keyboards zwei Tänzer steuern. Einfach B, A, C, H in die Tastatur gedrückt, schon empfängt das Opfer die Kommandos per Kopfhörer und tanzt artig nach Fabians sogenanntem «Alphasystem» die Bewegungen, die B, A, C und H entsprechen. Das Publikum wird zum Choreografen. Der Jagdtrieb erwacht. Man drückt Bewegungskombinationen, die den Tänzer grausam an die physische Grenze treiben, bis er «tilt», umkippt, sich wieder aufrappelt. Bis die Zuschauer begreifen und spielerisch die Tänzer zu synchronisieren beginnen. Bald fummelt keiner mehr blöd auf der Klaviatur herum, sondern ...
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Auf den ersten Blick könnte man meinen, dies sei ein Beweis für die mühelose Erhöhung des Renteneintrittsalters. Einer der Tänzer, Horst Dittmann sagt ja auch: «Ich musste neu beginnen, das habe ich getan.» Aber: «Bei einer gefälligen Inszenierung, die uns bloß noch mal im Rampenlicht glänzen lassen will, hätte ich niemals mitgemacht.» Mit seinen 63 Jahren ist er...
Auch die Welt der Kunst hat lernen müssen, mit dem Druck ökonomischer Effizienz und den Kriterien der Profiterwirtschaftung zurechtzukommen. Der Künstler ist risikobereit wie ein Unternehmer oder Freiberufler. Eigentum, Profit und Entlohnung basieren auf der Eigeninitiative, mit der der Künstler als eigenständiger Schöpfer auftritt. Zugleich rückt die ausgeprägte...
Die Vermutung, dass der Titel des Stücks auch die Länge der Aufführung angebe, ist nicht falsch. Kevin O‘Days Choreografie dauert exakt so lang wie Steve Reichs Komposition «Music for 18 Musicians»: 70 Minuten. Solche Titelgebung gab es schon bei Cage und Jirí Kyliáns Einakter «27’52’’».
O‘Day versucht damit, wie er im Programmheft schreibt, die Frage «Wie gehen...
