heulen, zähneklappern
Stumm nach unten gestreckte Daumen zwischen stehendem Applaus am Uraufführungsort Kaaitheater in Brüssel: Ihr aller Belgier Alain Platel, ihr aufgeräumter, feinfühliger, immer so nachdenklicher Leithammel der Ballets C. de la B. ist ausgebüxt aus der Heilanstalt seiner Leidens- und Sozialkonflikte, er prangert nicht mehr Israel an («Wolf»), schmerzt nicht mehr mit den Schmerzenden («pitié!»), reitet auch nicht mehr der Mittelaltersehnsucht voran («vsprs»), sondern macht – fröhliches Balletttheater.
Acht Tänzer treten im Alltagskostüm auf die Bühne, entkleiden sich, als begänne gleich ihre Yogaklasse, halb nackt schmusen sie sich in rosafarbene Decken. Geigensaiten kratzen Grunzgeräusche, Blicke treffen sich und erzeugen Paarbildungen. Man beschnuppert sich wie erste Menschen und scharrt mit den Hufen. Zwei Damen entblößen sich zuerst, die Herren folgen, einer krächzt in eins der beiden Mikrofone ein «Laissez-moi», die rosafarbenen Linus-Decken schlagen den Boden. Ein Ritual müsse nun beginnen, man greift sich gestisch ins Gesicht, geht breit in Karatestellung, sinkt synchron zu Boden, zuckt dabei, wie es Lehrbücher der Hysterie vorschreiben, verfällt parallel in Trance, streckt ...
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