Innsbruck: Enrique Gasa Valga «the tempest»
Für den Gestrandeten ist die Insel, sollte man meinen, ein herrschaftsfreier Raum. Hier lassen sich Hierarchien schwerlich aufrechterhalten, weil um des Überlebens willen jeder, egal welchen Standes, auf die Hilfe des anderen angewiesen ist. Zumindest nominell aber müssen die gesellschaftlich diktierten Abstände gewahrt werden, wie berühmte literarische Beispiele belegen. Robinson Crusoe knechtet seinen Freitag. Und der Zauberer Prospero meint, Caliban, den «Wilden», handgreiflich nach seiner Pfeife tanzen lassen zu müssen.
Das Unten und das Oben gibt es bei Enrique Gasa Valgas zauberischem «The Tempest» nicht mehr. Alle Personen sind gleichgestellt und dürfen tänzerisch ihre Eigenheiten ausleben. Valga, seit zehn Jahren Ballettchef am Tiroler Landes-theater, zeigt deutlich, dass selbst Prospero mit dem Schiffbruch jede Macht abhandengekommen ist. Er kann nicht einmal beim Coup de foudre, der seine Tochter Miranda und seinen Neffen Ferdinand gleich beim ersten schwelgerischen Pas de deux füreinander entflammt, väterlich dazwischenblitzen.
Es sind ja lauter verfranste Erzählstränge in Shakespeares «Sturm», die keine rechte Handlung ergeben. Weshalb Valga daraus ein Nummernballett ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2019
Rubrik: Kritik, Seite 44
von Eva-Elisabeth Fischer
Ein kleiner, schutzbedürftiger Säugling, klingelnde Telefone, außerirdisches Leben und so banale Dinge wie das Aufwischen des Bodens – man kennt sie schon, diese wiederkehrenden, aber immer wieder überraschenden Elemente im Werk des katalanischen Choreografen Marcos Morau. Mit seiner Kompanie La Veronal in Barcelona beheimatet, kreiert Morau auch für internationale...
William Forsythe hat mein Leben verändert, so einfach ist das. Und bevor jetzt gleich wieder die üblichen Schlagworte wie «Guru» und «Jünger» fallen: Ich habe daran meinen aktiven Anteil.
Genau deshalb hat meine Beziehung zu Bill bis heute gehalten, und sie festigt sich mit jedem Jahr. Bill hat immer auf echter Zusammenarbeit bestanden und meine ganz persönlichen...
Ein Heimspiel, gewiss, aber was für eins! In St. Gallen hat Marianne Fuchs vor gut einem halben Jahrhundert in dem jungen Schlittschuhläufer die künftige Tänzerpersönlichkeit erkannt. Jetzt kehrt Martin Schläpfer an den Ort seiner Entdeckung zurück, um am 2. Dezember den «Großen St. Galler Kulturpreis» entgegenzunehmen. Schläpfer wird sich für die nur alle drei...
