Auftrieb

Auftrieb erhält die Tanzkunst, sobald Tänzer sich als Komplizen verstehen. Erst wenn sie ein gemeinsames Ziel vor Augen haben, das sie mit krimineller Energie verfolgen können, wird es auf der Bühne spannend. Verblüffend gute Ideen von William Forsythe und Gesa Ziemer, vorgestellt auf dem Tanzkongress in Hamburg.

Tanz - Logo

Im vergangenen Mai ließ William Forsythe in seiner Installation «Scattered Crowd» zum wiederholten Mal siebentausend weiße, heliumgefüllte Luftballons aufsteigen, diesmal in einem alten Londoner Lagerhaus. Bis in die letzte Ecke füllten sie den Raum. Jeder Besucher stieß die Ballons an, die andere Ballons anstießen, bis in den höchsten Winkel der Halle hinauf. Das gegenseitige Berühren der zarten Hüllen bewirkt einen gewaltigen Effekt, verursacht von der eigenen kleinen, initialen Bewegung.

Durch die Bewegung nur eines weißen Ballons beginnt der ganze Raum zu tanzen. Ist nun derjenige, der die Bewegung in Gang gesetzt hat, verantwortlich für den gewaltigen Tanz? Oder ist der mit Luftballons gefüllte Raum, der zu glühen scheint, völlig sinnfrei, weil man so herrlich gedankenlos die heliumgefüllten Moleküle zum Tanzen bringen konnte – schön, aber folgenlos?

Nun sind Luftballons weder besonders elegante noch überhaupt irgendwelche Tänzer. Tänzer dagegen tragen, anders als die Physik, tatsächlich Verantwortung für die Choreografie, für die Umsetzung eines Plans, tragen Verantwortung auch für sich und andere auf der Bühne. Der Tänzer erfüllt also eine Aufgabe, er arbeitet eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2009
Rubrik: Komplizen, Seite 10
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Platzen vor Wut

Merce Cunningham hatte es schon geahnt, damals im November 2001, zwei Monate nach den Terroranschlägen auf die Twin Towers. Weil er ja immer in die Zukunft blickte, schauderte ihm gehörig, und er mutmaßte, dass sich in der Welt etwas zusammenbraut, was auch die Tanzlandschaft verändern würde. Nur wie oder was genau, das konnte auch er nicht vorhersehen. Heute sind...

Leserpost

Leserpost
zu «Salsa bei Seegang», Reportage einer Tanzlehrerin auf dem Kreuzfahrtschiff AIDA, ballet-tanz 10/09: Natürlich ist bei keinem Job alles Gold, was glänzt. Bliebe aber zu ergänzen, dass die Tanzkompanien, die allabendlich die Bordgäste mit tollen Shows erfreuen, fast alle aus weißrussischen und tschechischen Tänzern generiert werden. Sie kosten wenig, man...

Männer jagten Mammuts

Das war nicht nur gefährlich, sie benötigten auch ein paar Tugenden, um zu überleben: Mut, Erfahrung, die Fähigkeit, geräuschlos zu kommunizieren und ähnliche Eigenschaften. Aber spätestens im alten Rom setzte sich die Meinung durch, dass ein Anführer nur deutlich genug Kommandos geben, auf die Untergebenen einen gewissen Druck ausüben und seine Autorität dadurch...