Kiel: Ivanenko: «When She Went Away», Toulon «Blame It ...»
Zwei Reisen durch die Nacht, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Ballettdirektor Yaroslav Ivanenko hat den Choreografenkollegen Darrel Toulon zur Einstudierung einer revueartigen Ballettsause namens «Blame it on the Moondog» mit dem Ballett-Ensemble eingeladen, während er selbst den Abend im Opernhaus Kiel mit einem traumwandlerischen Trip in die Finsternis eröffnet. Arme kreisen, schlängeln, winden sich um biegsame Körper. In einem schlingernden Endlosband entwickelt sich ein unaufhörlicher Bewegungsfluss zum fesselnden Sog.
Anfangs noch zögerlich überquert die wunderbare Marina Kadyrkulova, eine klingende Spieluhr in der Hand, die Schwelle ins geheimnisvolle Dunkel, bahnt sich ihren Weg durch eine Armee schwingender Gestalten hindurch. Bald schon wird sie auf Händen getragen, schwebt geradezu über den sich zur Landschaft verdichtenden Körpern.
Androgyne Wesen schälen sich im fahlen Licht heraus, finden in athletisch virtuosen Duetten und Trios zueinander. Ivanenkos Handschrift ist geprägt von ausdauernd geschmeidigem Gleiten. Zur Musik von Kimmo Pohjonen und Max Richter erhebt er hier seinen Stil zum durchgehenden Motiv – spannungsvoll ausgelotet, sinnfällig ...
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Tanz Juni 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 42
von Irmela Kästner
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