So wird ein Schuh draus
«Wenn Spitzenschuhe von Experten benutzt werden, sind sie ein Werkzeug des Ausdrucks», sagt William Forsythe. Sein Düsseldorfer Kollege Martin Schläpfer pflichtet ihm bei: «Der Gebrauch des Spitzenschuhs im Kunsttanz ist künstlerische Wahrheit – keine Wahl, sondern ein über Jahrhunderte gewachsenes Bedürfnis, sich so und nicht anders ausdrücken zu wollen. Spitzenschuh oder eben nicht», sagt der Direktor des Ballett am Rhein, «ist keine Frage der Vorliebe, einer ästhetischen Präferenz.
Die Entscheidung wird immer aus einer dramaturgischen Fragestellung heraus getroffen: Was will man wie sagen?»
Schläpfer spricht in seinem Statement als ein zeitgenössischer Choreograf, «nicht als Repräsentant einer klassisch-romantischen Ballett-Tradition», die ohne den Spitzenschuh nicht zu denken ist. Dieser Schuh allein macht das «Unmögliche» eines Stücks wie «La Sylphide», «Giselle», «Schwanensee» oder «La Bayadère» möglich, hebt den Tanz auf eine Ebene, die ihm ansonsten unerreichbar ist – und gibt ihm etwas Metaphorisches. Das Unvergängliche, hier zumindest wird’s Ereignis. Aller Erdenschwere enthoben, scheint durch den Schuh der Tanz zu transzendieren.
Wenn ein Choreograf heutzutage zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sie stehen da wie Marzipanfiguren auf einer Hochzeitstorte, Marie in cremefarbenem Negligé und Hugo in biederem Anzug, die beiden Hauptpersonen in Mei Hong Lins Übersetzung von Georges Rodenbachs Roman «Bruges-la-Morte». Statt von einer Torte wird das Paar von einer hügeligen Landschaft aus schwarzem Tüll umgeben, viel Nebel und weiße Lilien – Symbol der Reinheit,...
Kein Wendestück, gottlob. Torsten Händlers Premiere firmierte zwar zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Der neue Ballettdirektor des Theaters Plauen-Zwickau hat für seinen künstlerischen Einstand daraus aber nicht leichtfertig Kapital geschlagen. Er versteht jenen Umbruch eher als Wandel im Leben des Einzelnen: Wenden passieren einem permanent. Kein Heldenpathos um...
Der Genfer Choreograf ist ein heftiger Gegner narrativer Entwürfe und vertritt einen ausschließlich abstrakten Tanz. Er ist bekannt für wunderschön kahle, geometrische Choreografien wie «The Moebius Strip» (2001), die gern genial durchwoben sind mit langsamen, fließend organischen Bewegungsmustern. Jeglichem erzählerischen Inhalt steht er fern. Und nun? Amüsiert er...
