linz: Mei Hong Lin: «Carmina Burana»
Über allem schwebt ein kalter, silbriger Mond. Wenn eine Gruppe von Menschen in verschiedenen Posen und Konstellationen Momente aus dem eigenen Dasein darstellt, wenn Kinderwagen über die Bühne quietschen und eine junge Frau ihren toten Geliebten betrauert. Unter dem großen, sich langsam drehenden Trabanten tanzt ein Dandy in weißem Anzug, der die Menge dirigiert und die Individuen am Gängelband hält. Er ist das Schicksal, eine queere Göttin Fortuna in der tänzerischen Auslegung von Carl Orffs «Carmina Burana», die die Choreografin Mei Hong Lin ins neue Linzer Musiktheater stellt.
Seit Beginn der Saison leitet Lin das Ballett des Linzer Landestheaters als Nachfolgerin von Jochen Ulrich, der 2012 an den Auswirkungen seiner Diabetes-Erkrankung starb. Schicksal, dass sie vom Hessischen Staatstheater Darmstadt in die oberösterreichische Hauptstadt wechselte, die sich im Frühling 2013 ein großes, hochmodernes Haus für Oper, Tanz, Operetten und Musicals geschenkt hatte.
Die Möglichkeiten dieser Architektur schöpft Lin mit «Carmina Burana» voll aus. Sie verteilt drei Chöre über drei Balkone im Auditorium, choreografiert 19 Tänzer in der effektvoll schlichten Bühne von Dirk Hofacker und zu ...
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Tanz April 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 43
von Helmut Ploebst
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