Proben zu «La Belle» mit Olga Smirnova, Foto: Alice Blangero
Jean-Christophe Maillot: Revolution!
Es ist die Eigenheit der Kunst, sich zu entwickeln, zu erneuern und immer wieder selbst infrage zu stellen. Auch der Tanz folgt dieser Regel, ja er schreibt sogar an seiner eigenen Geschichte und befragt gleichzeitig seine Formen. Was mich heute am meisten überrascht, ist nicht so sehr die Entwicklung des Tanzes als vielmehr die grundstürzende Umwälzung, die hinsichtlich seiner Verbreitung vor sich geht. Jahrehundertelang waren wir es gewohnt, Tanz in Verbindung mit realen Orten zu sehen, mit Theatern, Museumssälen, vielleicht auch Straßenzügen.
Seit er die Leinwände und Monitore erobert hat, hat sich der Tanz ein Stück weit entmaterialisiert. Er hat sich einen Platz im Kino gesichert (manchmal in 3D), er ist in Social-Media-Formaten ebenso präsent wie auf Web-TV-Plattformen, er wird dank umfangreicher Strea-mings weltweit geteilt und unmittelbar kommentiert.
In der Tat erleben wir eine Revolution, was die Verbreitung choreografischer Inhalte betrifft. Was wir morgen zeigen wollen, müssen wir heute vorwärtsbringen. Genau wie ein Kompaniedirektor sich um Uraufführungen kümmern muss und ein Festival darum, wie es Zuschauer für neue Formen interessiert, bin ich mir völlig im Klaren ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 118
von Jean-Christophe Maillot
Glück, Zufall oder endlich die richtige Erkenntnis: Seit Ballettdirektor Manuel Legris Rebecca Horner nach ihrer fulminanten Interpretation von Potiphars Weib in «Josephs Legende» und «Le Sacre», beide von John Neumeier, am Wiener Staatsballett 2017 zur Solotänzerin ernannte, scheint der Weg geebnet für eine außergewöhnliche Karriere. Denn Rebecca Horner ist auf...
Den Tanz der Zukunft gibt es nur noch im Plural. Es ist ein Tanz der Vielen, und er findet an Orten statt, die Vielheit und Teilhabe garantieren.
Diese Orte werden von Menschen geleitet, denen bewusst ist, dass die Tanzkunst immer vielfältiger und größer ist als sie selbst. Kuratorische Egoismen haben darin keinen Platz mehr.
Der Tanz der Zukunft kommt wieder mehr...
«To imagine the future is a political practice», schreibt die Feministin Laurie Penny auf der Netzplattform «The Baffler». Die Zukunft zu imaginieren, steht gerade auch im Zentrum unserer künstlerischen Arbeit im Theater. Im Theater erproben wir das Leben, die Welt. Die Bühne ist ein Raum zum Experimentieren und Imaginieren, zum Ausloten anderer Lebensmodelle und...
