schwelle 7
Felix Ruckert, vor 15 Jahren präsentierten Sie Ihre erste interaktive Performance.
Ja, 1995 war das «Hautnah», ursprünglich ein «Ein-Tänzer-tanzt-für-einen-Zuschauer»-Stück. Aber durch die räumliche Nähe und die Intimität der Situation entwickelte sich die Interaktion von ganz allein und ging oft vom Zuschauer aus. In weiteren Fassungen von «Hautnah» habe ich das aufgegriffen und bewusst Situationen in die Soli eingebaut, die zur Interaktion einluden, zum Teil gab es schon direkten Körperkontakt.
Das war damals neu und aufregend und hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Einerseits über die Funktion des Tanzes in der Gesellschaft, die Sehnsucht nach dieser so primär körperlichen Ausdrucksform und den Wunsch nach authentischer Kommunikation. Andererseits beleuchtete es auch die Rolle des Tänzers als Projektionsfläche für ungelebte Körperlichkeit, als Objekt der Begierde, immer mit dem leichten Ruch des Unseriösen oder Animalischen. Es entstand eine Beziehung aus Faszination und Abscheu, die sich auch gesellschaftlich in der sozialen Stellung der Tänzer am unteren Ende der künstlerischen Hierarchie ausdrückt. Ich hatte das Gefühl, in ein Wespennest gestochen zu haben; es gab sehr ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Ballerinenfilm. Nur ihre Namen tun hier nichts zur Sache. Wer hier wirklich auf ein «Rendezvous mit einer Ballerina» hofft, ist allerdings selbst schuld. Jackie Julie (wenn die Tänzerin wirklich so heißt) und Betty Summer (wohl eher auch ein Künstlername) sind unserer Branche unbekannt. Wohl deshalb geben sie sich meist bedeckt, solange sie sich an der Stange...
Stumm nach unten gestreckte Daumen zwischen stehendem Applaus am Uraufführungsort Kaaitheater in Brüssel: Ihr aller Belgier Alain Platel, ihr aufgeräumter, feinfühliger, immer so nachdenklicher Leithammel der Ballets C. de la B. ist ausgebüxt aus der Heilanstalt seiner Leidens- und Sozialkonflikte, er prangert nicht mehr Israel an («Wolf»), schmerzt nicht mehr mit...
Titellos, namenlose Akteure, kein Autor. Das Publikum sucht mit Taschenlampen im Dunkeln. Beide Autorinnen beziehen sich auf dieselbe Theatererfahrung, den Abend «Ohne Titel» im Berliner Hebbel am Ufer, der sie nachhaltig irritierte. Sowohl Pirkko Husemann, Tanzkuratorin am Hebbel am Ufer, als auch Susanne Foellmer, Mitarbeiterin am Institut für...
