Wei(d)t zurückgeschaut

Françoise und Dominique Dupuy: «W.M.D.» in Paris

Tanz - Logo

Ausdruckstanz, der neue Modetrend an der Seine? Nach Mary Wigman und Dore Hoyer (mit Susanne Linke an der Opéra, ballet-tanz 03/05) bittet das Théâtre national de Chaillot zum choralen Tanztheater, mit Stücken von Jean Weidt und Deryk Mendel. Lumpen und Loden in Grau oder Erdtönen anstatt fashion victims. Die Idee, Jean bzw. Hans Weidts «Alte Menschen, alte Eisen» zu rekonstruieren hatten Frankreichs älteste noch aktive Tänzer, Fran­çoise und Dominique Dupuy.  Die einstigen Interpreten von Weidts «Ballet des Arts» reisen in die eigene Vergangenheit.

Kein Zufall, dass das Paar 1949 unter Weidts Leitung zu den Interpreten des Stücks gehörte. Dominique Dupuys Vater nahm in den Vorkriegsjahren deutsche Juden und Kommunisten auf, die vor den Nazis flohen und engagierte Weidt, um Dupuys Kindern Tanzunterricht zu erteilen. Eine private ABM-Stelle, die selbst in den Ferien anhielt. Weidt gehörte zur Familie.
Der aktuelle Anstieg von Kriegsstimmung und Armut mag ein Grund sein für das erwachende Interesse am Tanz aus jener Epoche politischer und sozialer Beben. Der Titel des Gesamtprogramms verweist auf die drei Choreografen des Abends: Weidt, Mendel, Dupuy.  «W.M.D.» beginnt nicht mit der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2005
Rubrik: On Stage, Seite 50
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Choreografen-Wettbewerb Hannover

Der junge Choreograf ist sich selbst am nächsten. Dreht gern Soli um sich selber oder duettiert mit Partnerin Beziehungszoff aus. Ersteres war beim 19. Internationalen Wettbewerb für Choreografen in der Staatsoper Hannover untersagt. Zweites wurde von sechs, unter den 160 Bewerbern ausgewählten Teilnehmern, meist ironiefrei praktiziert.
In der Vorrunde mit 17...

Ikonografie der Weiblichkeit

Eine Frau hat viele Gesichter, je öffentlicher die Frau, desto mehr. Vor der Kamera bedient sie das kollektive Bildergedächtnis: die lächelnde Politikerin, das laszive Mannequin, die Rocksängerin, die die Zähne bleckt. Man kennt das. Aber was ist vorher, was nachher? Wie wahr, wie manipulierbar sind die Bilder? Die Kölnerin Ste­phanie Thiersch, bekannt durch ihre...

Stichprobe: Matthew Bournes «Play Without Words»

Matthew Bourne’s “Play Without Words,” a wordless translation into dance-theater of the 1963 Joseph Losey-Harold Pinter movie, “The Servant,” is funny, charming, suave, and formally quite engaging. I write this as someone who was no fan of Bourne’s “Swan Lake,” that international hit, with its hateful or nin­nyish portraits of women, has balefully affected...