unmündig...
Es gibt kein Theater, keine Performance, keine Tanzvorstellung ohne Zuschauer. Trotzdem ist dem Theater der Zuschauer als bloßer Zuschauer nie genug. Er soll mehr sein, soll ein Verstehender, ein Mitspieler, ein Kollaborateur werden. Jacques Rancière – französischer Philosoph der Ästhetik und Politik – beschäftigt sich in seinem Werk «Der emanzipierte Zuschauer» mit genau diesem «Paradox des Zuschauers». Warum darf der Zuschauer nicht einfach nur zuschauen?
Die traditionelle Skepsis gegenüber bloßem Zuschauen ist tief in unserer Kultur verankert.
Das Zuschauen ist seit Platons berühmtem Höhlengleichnis mit einer Illusion verbunden. Er hatte es sogar als Gegensatz zur Erkenntnis verhandelt. Gefesselt und gefangen, sitzen die Menschen passiv in einer Höhle und starren auf eine Projektion bloßer Trugbilder, Schatten, die sie womöglich für die Realität halten. Gefangen sind sie in der einen Perspektive, in der ihnen wie im Theaterstuhl die Hände gebunden sind. Sie können nur glauben, was sie sehen. Selbst aktiv werden können sie nicht.
Das Zuschauen sei somit eine Grundschuld des Theaters: Es erzeuge Illusionen und passive Menschen. Platon schloss daraus, das Theater sei generell ...
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Tanz Februar 2011
Rubrik: ideen, Seite 58
von Anke Euler
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...ist ein Produktionsbuch. Auf 150 Seiten hat die Stuttgarter Fotografin Regina Brocke eines der inspiriertesten Ballette von Marco Goecke festgehalten, mit Friedemann Vogel, der die Liebe als Mann wie als Frau erlebt. Auf schwarz grundiertes, 30 mal 30 Zentimeter großes und griffiges Papier gedruckt, lässt es die unzähligen Proben- und Premierenfotos plastisch...
