Katja Erdmann-Rajski
Glenn Gould habe sich die Musik zuerst in seinem Inneren ertanzen müssen, notierte ein Kritiker über das Spiel des berühmten Pianisten. Wahrscheinlich liegt es an dieser besonders massiven Präsenz eines Künstlers in der von ihm interpretierten Musik, dass der Tanz an diesem Abend unsere Aufmerksamkeit nur schwer fesseln kann. Glenn Gould gilt das Interesse des neuen Tanzstücks von Katja Erdmann-Rajski, und der kanadische Tastenkünstler spielt, spricht und summt nicht nur vom Band, sondern zieht in der Person des Schauspielers Bernd Lindner von Beginn an alle Blicke auf sich.
«Glenn Gould oder Das Verschwinden der Musik» heißt die assoziativ verwobene Tanz-, Text- und Klangcollage, die in Stuttgart zur Uraufführung kam. Davon, wie ein Exzentriker hinter seiner Person die Musik zum Verschwinden bringt – und den Tanz gleich mit ihr –, wird 90 Minuten lang die Rede sein. Ein Stuhl links, ein Streifen Spiegelfolie rechts auf dem Boden: Mehr stellt sich dem Tanz in dem fast leeren Raum nicht entgegen. Doch die drei Tänzerinnen Julia Brendle, Parwanhe Frei und die Choreografin selbst sind kaum mehr als bewegte Hintergrundfolie für die packend gesprochene Erzählung vom einsamen Kerl, den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In England gelte sie als cutting edge, sagt sie: «als total experimentell, obwohl meine Arbeit bewegungsorientiert ist». Stephanie Schober aus Freiburg, die nach begonnenem Medizinstudium die dreijährige Laban-Ausbildung in London absolvierte, choreografiert dort seit 2002 für ihre eigene Kompanie. Wegen der Fördersümmchen in kleinen und wechselnden Besetzungen....
Sergei Vanaevs radikale Umdeutung des Tschaikowsky-Klassikers für ein Dutzend hoch motivierter Tänzer in Bremerhaven erfüllt zwar nicht die Erwartungen an Spitzentanz und ans imperiale Prachtballett, erzählt aber konsequent, tragikomisch und verständlich das Drama unerfüllbarer Liebe. Die «Böse Fee» ist der dunkle verwirrende Sexus von rätselhafter Anziehungskraft...
Sonnenwende am Gletscherstrand – der ideale Urlaub. Der Wiener Choreograf Chris Haring fordert: «Jede Jahreszeit jederzeit!» Auf der spanischen Expo in Zaragoza vereinigt er im österreichischen Pavillon die beiden Klassiker unter den Urlaubsländern, sperrt Klischees von Spanien und Österreich in eine überdimensionale, begehbare Schneekugel. Und schüttelt das...
