In Tränen tanzen

John Neumeier: «Den lille Havfrue» in Købnhavn

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Die Träne quillt. Über die Reling eines Schiffs gebeugt, sinnt ihr der «Dichter» lange nach. Während sie ins Wasser tropft,  gewinnt in der Tiefe des kollektiven Unbewussten seine Sehnsucht körperhafte Gestalt – und gleich ihm erleidet die «kleine Meerjungfrau» ein Los, das beide am Ende zwar nicht glücklich, zumindest aber unsterblich macht. Keine der Erzählungen von Hans Christian Andersen hat die Welt mehr «bewegt» als die Geschichte seiner Geschöpfe, die ihre Beseeltheit so schmerzhaft am eigenen Leib erfahren.

Da nimmt es nicht Wunder, wenn sich John Neumeier in den Kreis der Choreografen einreiht, die «Den lille Hav­frue» zu allem Unglück auch noch das Tanzen lehren. In Kopen­hagen ist ein solches Ballett sozusagen Pflicht, wo sich der «Dichter» sein Jubiläumsjahr mit einem «Ballettmeister» teilt. Auch August Bournonville wäre, wie man weiß, in diesem Jahr zweihundert geworden.

Noch steht ganz Dänemark nur im Zeichen von Hans Christian Andersen, und Hamburgs Ballettintendant lässt es sich nicht nehmen, ihm zu huldigen: Er ist jener «Dichter», der als Schatten seiner Selbst die eröffnenden Worte des Märchens auf die Bühnenwand schreibt. Dass sich dessen Existenz auf ...

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Tanz Juni 2005
Rubrik: On Stage, Seite 43
von Hartmut Regitz

Vergriffen
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