passione in due
Eine «Matthäuspassion» ohne Chor, ohne Solisten, ohne Matthäus und überhaupt ohne Gesang? Wie geht das? Bei Emio Greco und Pieter C. Scholten steht Johann Sebastian Bachs Komposition im Dialog mit einem grotesken Tänzer und wird nicht nur auf dem Piano, sondern bisweilen auch auf dem Akkordeon gespielt. Das Choreografen-Duo aus Amsterdam geht der Beziehung zwischen Bewegungen und Tönen so tabulos auf den Grund, als würden beide Sphären, voneinander ebenso fasziniert wie abgestoßen, einer gemeinsamen Gestalttherapie unterzogen: «Passione in Due».
Zwischen hochtrabenden Glücksgefühlen und tiefer Sehnsucht leiht Greco seinen Körper dem zum Kreuzestod Verurteilten. Siebenmal will er uns dringend etwas mitteilen, von «Ich muss euch sagen, dass mein Körper auf alles neugierig ist. Und ich bin mein Körper» bis «Ich muss euch sagen, dass ich euch verlasse und nur meine Statue zurückbleibt.» Genauso könnte er sagen: «… und dass nur Musik, dass nur meine Seele zurückbleibt.»
Im Lauf des 20. Jahrhunderts hat sich der tanzende Körper bekanntermaßen von der Bevormundung durch Rhythmen und Melodien emanzipiert. Macht das die Dinge einfacher? Gewiss nicht. Denn die beiden Kunstgattungen müssen ...
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Tanz April 2013
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Thomas Hahn
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