Eine Tänzerin verschwindet
Eisiger Wind fegt über den Friedhof Montmartre. Warum nur lässt sich dieses Grab nicht mehr finden, es war doch irgendwo in der Nachbarschaft von Théophile Gautier, nicht weit von der Ruhestätte der Brüder Goncourt? Oder doch näher bei Heinrich Heine und Hector Berlioz? Komischerweise ist es auch vom Friedhofsplan verschwunden.
Da erscheint hinter der nächsten Biegung zumindest das Memento mori für Vaslav Nijinsky – ein abscheulicher Bronze-«Petruschka», ein Trauerkloß für einen Tanzkoloss.
Die Erinnerung täuscht nicht, denn von hier aus lässt sich das Ziel leichter orten: Auf einer Stele zehn Meter weiter paaren sich ein Dutzend verwitterte Spitzenschuhe mit verblühten Knospen.
«Wollen Sie vielleicht noch ein Paar dazulegen?» Die resolute Pariserin, die eine ganze Schar verfrorener Friedhofskatzen verköstigt, schüttelt den Kopf: «Dabei liegt die doch gar nicht da drin!»
Wie jetzt? Sind alle Besucher hier auf der falschen Fährte? Die Inschrift ist doch eindeutig, da steht «Marie Taglioni». Also ruht unter dem graumelierten Gestein die erste Sylphide der Tanzgeschichte, die größte Ballerina des 19. Jahrhunderts und Hohepriesterin der Romantik – beziehungsweise das, was 125 Jahre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Spitzenschuh ist ein Synonym für das klassische Ballett. Ohne dieses äußerlich zierlich anmutende, in schimmerndem rosa Satin lieblich die eigene Kraft und Komplexität verleugnende Hochleistungswerkzeug wäre nämlich der Spitzentanz unmöglich, mithin die Technik, deren Optik für die Einordnung des Tanzes in die Rubrik «Ballett» entscheidend ist. Ballett erkennt...
Mehr Aufmerksamkeit für die (Aus-)Bildung des Nachwuchses im Tanz! Diese Kinder in ihren schmutzigen Schläppchen und Tutu-Imitaten sind nicht nur «süß», und ihre Ausbildung soll nicht nur ihre Onkel und Tanten beeindrucken. Auf die Kinder und ihre Fähigkeiten kommt es an. Liebe, Freude und Disziplin!
Kettly Noël bezeichnet sich gern als «schwarze Choreografin, die in Afrika arbeitet» – die Differenzierung ist ihr wichtig, denn sie kommt aus Haiti, nicht aus Mali, wo sie heute wohnt – nach Zwischenstationen in Paris und Benin. In den «besseren Vierteln» der Hauptstadt Bamako hat sie ein schönes Haus mit einem Theater im Garten. Dort lebt und arbeitet sie, und...
