Kaiserwalzer
Der Mond über den russischen Birkenwäldern von «Onegin», der helle Sonnenhut der «Kameliendame», der blaue Baldachin, in dem König Ludwig in «Illusionen wie Schwanensee» ertrinkt: ikonische Motive, ohne die viele Lieblingsballette der Deutschen nicht denkbar sind. Jürgen Rose hat sie erfunden, er stattete die berühmten Abendfüller von John Cranko und John Neumeier aus, die auch in Paris, London oder Moskau zu Klassikern geworden sind. Der heute 81-jährige Bühnen- und Kostümbildner ist eine lebende Legende.
Balletttänzer lieben ihn, weil sie in seinen Kostümen nicht nur hinreißend aussehen, sondern tatsächlich zu den Figuren heranwachsen, die sie verkörpern. Um die 300 Ausstattungen hat Rose entworfen, mit genauso großem Erfolg in Schauspiel und Oper – von Kurt Hübner über Rudolf Noelte und August Everding bis zu Götz Friedrich arbeitete er praktisch nur mit den großen Theaterleuten, jahrzehntelang stattete er Dieter Dorns Inszenierungen an den Münchner Kammerspielen aus. Auf eine bestimmte Optik, eine «Masche» hat sich der Detailfanatiker dabei nie kapriziert, seine Fantasie reichte von rauschhaften Farborgien bis zum kargen, durchscheinenden Minimalismus.
Bis zum Hals in der ...
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Tanz Mai 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 54
von Angela Reinhardt
Yasmeen Godder, Sie unterrichten bei den «Potsdamer Tanztagen» «Morning Technique». Was verbirgt sich hinter dem Begriff?
Eine Mischung aus Yoga und Release, auch wenn ich keine Release- oder Yoga-Lehrerin bin. Ich gebe in Israel seit zwanzig Jahren Klassen für Tänzer. Immer morgens. Darum heißt die Technik so, um den Körper auf das nachfolgende Training oder...
Mit ihm hat niemand gerechnet. Am wenigsten er selbst. «Eigentlich hatte ich gerade gemerkt, dass das freischaffende Dasein seinen großen Reiz haben kann», meint Demis Volpi. «Ich fing gerade damit an, meine Freiheit zu genießen und auszuleben, als der Anruf kam.» Nicht dass der deutschsprechende Argentinier die Leitung eines Ensembles von vornherein ausgeschlossen...
Verbirgt das Gesicht unser inneres Selbst? Das fragte sich Philippe Halsman, einer der großen Porträtfotografen des 20. Jahrhunderts. Und was passiert, wenn man die dichte, förmliche Studio-Situation auflöst und das erschöpfte Modell in Bewegung bringt, zum Springen? Dann konzentriert sich die Person auf den Sprung, sie kontrolliert nicht mehr den Ausdruck, die...
