Foto: monteverita.org
Monte Verità
An einem lauen, fast noch sommerlichen Abend im September 2014 versammeln sich Zuschauer und Zuschauerinnen vor einer runden Holzkonstruktion, die nächst dem ehemaligen Schwimmbad auf dem Monte Verità liegt. Nachdem alle Einlass erhalten und sich auf die Holzbänke gesetzt haben, werden Wolldecken und Mückenspray verteilt. Auf dem Programm steht das von Dorothée Thébert Filliger und Filippo Filliger geschriebene und inszenierte Stück «Peut-on être révolutionnaire et aimer les fleurs?».
Die Sonne geht langsam unter, die Vorstellung beginnt.
Zwei Darsteller und zwei Darstellerinnen posieren in der Mitte der runden Rasenfläche. Allseits sind sie von Publikum umgeben. In rascher Abfolge schlüpfen sie in Rollen verschiedener historischer Persönlichkeiten des Monte Verità, wobei immer klar bleibt, dass sie diese spielen und zeigen, nicht aber verkörpern. «Ich bin Isadora Duncan, und ich habe den Tanz aus den ästhetischen Maximen des Balletts befreit!», ruft eine Darstellerin. «Ich bin Gusto Gräser, ich wohne nackt in einer Grotte!», erklärt ein Darsteller. Die Aufführung folgt keiner linearen Narration, sondern einer Art Nummerndramaturgie, wie sie bereits für die Dada-Abende im Cabaret ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Mythische Orte, Seite 25
von Andreas Schwab
Der junge Bailaor aus der Hafenstadt Cádiz straft alle jene Flamenco-Legenden Lügen, die besagen, dass man den Flamenco im Blut haben muss, oder noch besser in den Genen. In seiner Familie gibt es weit und breit kein einschlägiges Erbe. In seiner Familie interessiert man sich für Sport. Sein Bruder spielt in einem bekannten Fußballclub, und er selbst kam nur durch...
Panaibra Gabriel Canda arbeitet seit 1993 als Tänzer und Choreograf in Maputo/Mosambik und im Rest der Welt. Bei seinen zahlreichen Festivalauftritten in Europa wird man jedes Mal daran erinnert, dass intellektuell grundierter Tanz nicht zwangsläufig langweilig sein muss, sondern ganz lebensprall und humorvoll daherkommen kann. Panaibras berühmte «Marrabenta Solos»...
Wie hältst du’s mit der künstlerischen Freiheit? Gute Frage in aufgeheizten Zeiten. Ist ein Tanzstück politisch genug, um gesellschaftlich relevant zu sein? Wieder eine heiße Frage, eine Wiedergeburt aus den 1970ern. Nur: Heute scheint alles noch komplizierter, als es vor vierzig Jahren ohnehin schon war. Das vor zehn Jahren gegründete, junge italienische Kollektiv...
