frankreich: Abou Lagraa: «El Djoudour»
Eine Trennung der Lebensbereiche von Mann und Frau habe es in der arabischen Kultur nie wirklich gegeben, glaubt der Choreograf Abou Lagraa. Wozu sonst all die Terrassen und Salons, wenn nicht als Begegnungsräume für Mann und Frau? Die Trennung, so Lagraas Überzeugung, findet allein im Kopf statt. Also lässt er in seinem neuen Stück acht B-Boys aus Algier auf andere Weise auf sechs Frauen treffen, auch wenn es für die Algerier wohl nicht so einfach war, ihre Körper der geballten Weiblichkeit entgegenzuwerfen.
Lagraa aber wollte in ihnen etwas wiedererwecken: die sinnliche, liebevolle, ursprüngliche arabische Kultur, wie er sie versteht. Daher der Titel: «El Djoudour», die Wurzeln.
Ali Brainis, Nassim Feddal, Oussama Kouadria und die anderen wirken in der Überwindung ihrer Scham wie zeitgenössische Tänzer aus Europa, die eine Frau ohne jede Scheu berühren, führen und heben. Die Truppe, die schon in Lagraas «Nya» (2010) brillierte und als Ballet Contemporain d’Alger firmiert, steckt mitten in einem längeren Prozess. Noch ist die einzige arabische Interpretin Lagraas eigene Frau, die Marokkanerin Nawal Ait Benalla. Sie tanzt ihre Duos mit Bernard Wayack Pambe, dem einzigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz April 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Thomas Hahn
So recht geht das erst einmal nicht zusammen: Der Schüler eines Schülers des berühmten polnischen Theatererneuerers Jerzy Grotowski leitet heute das Ballet National de Marseille. Als solcher – sprich: Lehrling des Grotowski-Lehrlings Franz Marijnen – verehrte er das «Arme Theater», das im Körper nach der Wahr-heit sucht und die choreografische Vision verachtet. So...
«I love bouncing in the mist.» Das ist der schönste Satz einer Performance, in der es jede Menge schöner Sätze gibt. Nach der teilweise zum Brüllen komischen Trilogie über Unterhaltungsformate, «Entertainment Island» (2008 – 2011), nehmen sich drei Performer des finnischen Oblivia-Kollektivs mit «Museum of Postmodern Art 1» nun das postmoderne Theater vor....
Das Eingangsbild: die gefilmte, unschuldige Neugier eines Babys. Dann bohrt ein Pressluftbohrer Löcher in den Bühnenboden: der Zorn des Teufels. Als Nächstes betritt eine Figur mit Vogelgott-Maske die Szene. Später blicken wir auf die Couch eines Psychiaters und den Tanz einer sich auflösenden Seele – zu Worten, die urkomisch wären, wenn sie nicht so authentisch...
