Stuttgarter Ballett
Drei Wochen lang Aufführungen, Gastspiele, Rückblicke, Ausgrabungen alter Stücke, eine Direktorenkonferenz und natürlich die obligatorische Gala: Das 50. Jubiläum des Stuttgarter Balletts wurde mit einem riesigen Fest und Prominenz aus aller Welt begangen. Im Mittelpunkt standen die ehemaligen Tänzer: Intendant Reid Anderson hatte alle eingeladen, derer man habhaft werden konnte, und für die meisten von ihnen – das Bild bot sich immer wieder in den Foyers und Sälen – war es wie eine Rückkehr in den Schoß der Familie.
Das etwas abgedroschene Schlagwort von der «Stuttgarter Ballettfamilie» hilft tatsächlich, die Funktionsweise dieser Kompanie zu verstehen. Denn seit John Crankos Tod vor fast 40 Jahren liegt die Leitung des Stuttgarter Balletts noch immer in der Hand seiner Geschöpfe, die nun an der Spitze der Kompanie stehen: nach seiner Muse Márcia Haydée jetzt der frühere Solist Reid Anderson.Und noch immer studiert seine Choreologin Georgette Tsinguirides seine Werke ein.
Cranko ist der Klebstoff dieser höchst lebendigen Kompanie, der wahrscheinlich intensiver durch seine Idee einer Ballettkompanie wirkt als durch seine wenigen Werke. Sein Nachruhm hat dem Stuttgarter Ballett ...
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Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Kompanie des Jahres, Seite 118
von Angela Reinhardt
Führt euch selbst an
Direktoren und Choreografen sind doch Amateure. Niemand hat ihnen das, was sie tun, wirklich beigebracht. Natürlich sollte man einige Ahnung von Musik, Architektur, Kostüm, Lichtgestaltung haben. Man müsste Anatomie gut studiert haben, um nicht Sachen zu choreografieren, die die Menschen verkrüppeln. Und man sollte als künstlerischer Direktor...
Gerald Siegmund, Gabriele Klein, Gabriele Brandstetter, Sie lehren in Master-Studiengängen, die bereits ein anderes Studium voraussetzen. Was empfehlen Sie an Fächern, an Vorwissen?
Gerald Siegmund: Theaterwissenschaft empfiehlt sich immer, da bekommt man die Seherfahrung mit, die notwendig ist, um ästhetische Praxis reflektieren zu können.
Gabriele Klein: Die...
und andere Metaebenen: Warum sollen Tänzer keine Intendanten werden? Oder eine Agentur für Tanzkompanien gründen? Oder Tanz kuratieren? Oder eine eigene Schule eröffnen? Und wenn das nichts ist, wäre man auch in der Wissenschaft willkommen
