Laurent Chetouane
Er halte «Text-Andachten» ab, spöttelte man über den Regisseur Laurent Chétouane. «Heilige Kunstexegese», in der sich die Akteure viel zu wenig bewegten. Und ausgerechnet so einer wechselt die Szene, nennt sich «Choreograf» – und ist damit die ästhetische Bereicherung für die deutsche freie Tanzszene. Erst will Chétouane, Jahrgang 1973, Ingenieur werden. Er studiert, arbeitet, überlegt es sich anders, studiert wieder. Diesmal Theaterwissenschaft und -regie in Paris und Frankfurt.
Er inszeniert an den großen deutschen Theatern, polarisiert als Regisseur strapaziöser Mehrstundendramen auf leer geräumten Bühnen. Dann inszeniert er Heiner Müllers Monolog «Bildbeschreibung» mit einem Tänzer – und entdeckt sich als Choreograf.
Mittlerweile ist der in Deutschland arbeitende Franzose bei «Tanzstück #4» angelangt; «leben wollen (zusammen)» hieß die letzte Produktion im Untertitel, und in wunderbar tapsiger Formensprache zeigte man sich hier gemeinsam einsam: mechanisch-abgehackte Bewegungen wie von Gliederpuppen. Viele Gesten der Körpersprache wären psychologisch ausdeutbar. Aber Chétouane lässt sie so rasend schnell durchspulen, dass jede Interpretation sinnlos wird, weil jeder Ausdruck ...
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