Helena Waldmann / Alain Platel
Politisch und ästhetisch unabhängig, scheint die Kunst nur der Kunst zuliebe zu leuchten. Aber Künstler sollten ihr Recht wahrnehmen, ihre klaren Aussagen zu formulieren und ihre Arbeiten als ein Forum zu benutzen, um Alternativen zu denken, um ein Bewusstsein zu schaffen für das Andere, für andere Lebenskonzepte und Kulturen. Dass der Tanz dabei ohne viel Worte auskommt, hindert ihn nicht, so deutlich zu werden wie in den Arbeiten von Alain Platel und Helena Waldmann. Beide haben je eine eigene Ästhetik entwickelt, um so verständlich und klar zu sein.
Beide lassen den Zuschauer an einer Kunst teilnehmen, die in der Lage ist, die Sichtweisen auf die Wirklichkeit zu verändern. Weil es ihre Kunst ist, Wirklichkeit nachzuprüfen und zu erzeugen.
Bei Alain Platel ist es augenblicklich die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zur Religion, vor allem in «vsprs» und in «pitié!», die deutlicher als alles andere unsere Ratlosigkeit zeigen. «Nichts ist politischer als die Religion», hat Platel gesagt. Er zeigt auf eine Wunde, die sich nur schließen lässt durch eine «Fusion» von geistiger Unabhängigkeit und der Toleranz eines anderen Denkens und Lebens, nur durch die Liebe zum Andersartigen, ...
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