ist der tanz flüchtig?

Nein, ist er nicht. Er ist so präsent wie nie zuvor. Wir sollten es vielleicht besser lassen, den Tanz als die flüchtigste aller Künste zu bezeichnen.

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Eine Gewissheit verbindet die inhaltlich oft gar nicht übereinstimmenden Tanzwissenschaftler, Tanzkritiker, Kuratoren, Politiker, bisweilen auch die Choreografen: Der Tanz ist die flüchtigste aller Künste. Diese Behauptung liest und hört man mit schöner Regelmäßigkeit; sie wird wie ein Mantra wiederholt, wenn in Rezensionen, Essays oder Sonntags­reden der Tanz mit einem eingängigen Charakteristikum belegt werden soll.

Warum eigentlich soll ausgerechnet der Tanz die flüchtigste der Künste sein?

Die Rede von der Ephemerität ist wohlfeil, haben wir es doch im Theater immer mit Vergänglichkeit zu tun. Wenn wir uns von den Sitzen erheben und den Zuschauerraum verlassen, ist die Aufführung beendet. Die Musik ist verklungen, der Gesang vorbei, die gesprochenen Worte sind verhallt. Wir können uns erinnern, es fragt sich nur, an was. Einzelne Details der Vorstellung haben sich womöglich so stark in unser Gedächtnis eingeprägt, dass wir sie – mit mehr oder weniger Geschick – tanzen, singen oder darstellen können. Je nach Aus- und Vorbildung. Manches vergessen wir schnell. Bisweilen können wir uns mit anderen Zuschauern über das streiten, was wir wahrgenommen haben. Denn die Erinnerung ...

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Tanz Dezember 2011
Rubrik: ideen, Seite 62
von Klaus Kieser

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